Restart!

dissolved

Heute ist der 1. Oktober 2019, genau einen Monat, nachdem ich offiziell meine neue Wohnung bezogen habe. Stimmt auch wieder nicht, das war der 30. August. Eher gezwungener Maßen, ein rudimentärer Umzug. Damit endete die Geschichte auch nach außen, eigentlich endete sie schon am Anfang des Jahres, vielleicht schon im Sommer davor, das weiß ich nicht mehr so genau. Gestern habe ich das letzte Regal in den Abstellraum geschraubt, die letzten Sachen umsortiert, dieses hierhin, jenes dorthin. Platz schaffen, einen eigenen Raum, einen Platz in der Welt, die mir zum Teil verloren gegangen ist. Eine Matte fürs Badezimmer fehlt noch, der einzelne Schrank im Abstellraum muss noch befestigt werden, vielleicht hier oder dort doch noch eine Pflanze. Damit ist der Restart komplett.

Solche Restarts habe ich schon zuhauf in meinem Leben hinter mir, nach der ersten Ehe, nach der zweiten Ehe, nach dem geplatzten Exodus in die zweite Heimat. Ende 2016, als ich glaube, es sei das letzte Mal. Bemerkenswert ist, dass jeder dieser Restarts immer anders war, mit anderen Gedanken, anderen Plänen, anderen Sichten auf die Zukunft. So ist auch dieser Wiederbeginn ein ganz eigener, nur dieses Mal ohne hochtrabende Pläne und großartige Aussichten. Mehr ist es ein Blick auf das, was von meinem Leben übrig ist, als ich Schubladen sortiert und Kartons ausgepackt habe. Es ist der angebliche Neustart eines alten Mannes. Noch vor einigen Jahren galt The sky is the limit, war scheinbar alles offen und noch so viel zu tun. Nun, wo sich sogar mein Arbeitsleben einem anfühlbaren Ende nähert, schwinden die Pläne, weil auch das Ende der eigenen Existenz keine hypothetische Grenze mehr ist. Genauer hingeschaut sind da gar keine Pläne mehr. Oder wenige. Wieder fürs Radio arbeiten, wichtige Bücher lesen, mich um das Hundi kümmern, meinem geliebten Kater nachtrauern. Ich trauere mehr um meine Tiere als um Menschen.

Eigentlich hätte ich schon vor vielen Jahren beginnen sollen, es aufzuschreiben, damit ich mehr Übersicht hätte, die Schritte anzusehen, die mich in die jeweilige Gegenwart geführt haben. Angeblich ist es nie zu spät, also tue ich es jetzt. Es ist der 1. Oktober 2019, ein regnerischer und grauer Tag. Ich bin gespannt, wie ich in einem Jahr zurück blicke.

 

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