Erst sollte es Bretagne werden, aber weder sprechen ich Französisch noch habe ich irgendeine Ahnung, welcher Teil. Davor noch Südtirol, da wieder gibt es kein Meer und nur ganz selten Seen. Und dann kamen so viele Dinge dazwischen, dass die Sache einfach gemacht wurde und wieder dahin führte, wo es schon immer schön war. Croeso i Cwmry, croeso i Gwyr.

Mit Zwischenzielen gefällig?

Klar, immer gerne. Da waren doch im letzten Jahr mit den Kiddies Brugge, Gent und Brüssel. Nette Städte, angenehme Atmosphäre. Für Antwerpen reichte die Zeit nicht mehr, das liegt aber mittig auf dem Weg nach Calais. Antwerpen-Städtetrip? Klar, immer.

Donnerstag, 6. Juli 2006: Anreise und Tour durch Antwerpen

Erstmal wurde die Katze ordnungsgemäß im Ruhrgebiet untergebracht, zu einem schönen Urlaub bei Oma, mit Garten, permanentem Ausgang und immer zu viel Futter im Pott. Dann weiter Richtung Westen. Positive Nachricht vorab: die Großbaustelle Antwerpen, die einen in den letzten Jahren immer wieder zur Verzweifelung gebracht hat, ist endlich geschlossen. Das Hotel Golden Tulip Astoria liegt ganz in der Nähe des Stadtparks, leicht zu finden, wenn man weiß, dass es in einer kleinen Nebenstrasse liegt. Im Vergleich zur großen Schwester Golden Tulip Carlton an der Hauptstraße weniger luxuriös, aber auch billiger, dafür ohne Bar oder Restaurant. Zum Pennen reicht es, Sauberkeit und Zimmerzustand sind befriedigend, das Frühstück ok, aber nicht atemberaubend. Ach ja, ruhig war es, auf meiner Etage waren kaum Zimmer belegt. Dafür kostet Parkgarage am Tag 17.50€, auf den Parkplätzen in der Innenstadt wird es auch nicht billiger. Der Sharan kratzt in der Tiefgarage an der Decke, die Belgier fahren wohl mehr niedrigere Autos.

Jack Travel erwähnte auf seiner detailverliebten und ausufernden Site über Antwerpen es gäbe in der Tourist Info Heftchen mit Tourenbeschreibungen durch Antwerpen. Also nach dem Einchecken im Hotel für den Nachmittag ein erster Ausflug in die Stadt und Suche nach der TI. Die liegt, wo sie hingehört, am Großen Markt in der historischen Stadtmitte. Vom Hotel bis zum Beginn der City sind es einige Gehminuten. Dort beginnt dann die Meir, die Einkaufsmeile Antwerpens. Bis zum Großen Markt ist das noch ein ganzes Stück, es ist schon Nachmittag und auch reichlich heiß. Da war doch irgendwo die Rede von einer U-Bahn?

Korrekt, nicht viel U-Bahn, aber genug um einen mit zwei Haltenstellen dem Rathaus näher zu bringen. Und dort ist auch die TI. Tatsächlich bekommt man dort für 0.50€ einen kleinen Prospekt, der zwei Touren auf eigene Faust durch die Stadt beschreibt. Die erste bietet sich auch an es ist ja schönes Wetter und genug Zeit am Nachmittag.

Tour 1: Ein Spaziergang durch die Altstadt

Beide Touren dauern ca. 2 bis 2.5 Stunden, lässt man es ruhig angehen und setzt man sich auch mal hier oder dort hin und trinkt einen Kaffee, dann eben auch etwas länger. Tour Nr. 1 stellte sich im Nachhinein als interessanter heraus.

Sie führt vom Grote Markt zur Schelde hinunter, über die Zuiderwandelteras zurück in die Altstadt. Und man findet doch tatsächlich eine Verbindung zu London: der St. Anna-Tunnel führt unter der Schelde hindurch auf die andere Seite. Und wie nach Greenwich gibt es einen Aufzug für Radfahrer. Ist es Freitag, gelangt man im weiteren Verlauf des Weges auf den Vrijdagmarkt, ein Trödelverkauf. Einige Studer-Bandmaschinen sowie Revox-Laufwerke gab es dort auch zu erstehen, da muss wohl ein altes Tonstudio aufgelöst worden sein. Schade, dass ich keins von den Teilen mitnehmen kann. Geile alte 1/2″-Maschinen.

Die Hoogstraat ist die alte Einkaufsstraße Antwerperns, bevor die Meir zum Zentrum des Kommerzes wurde. Sollte es Mittag sein und der Hunger sich melden, empfiehlt sich als Unterbrechung die Hoogstrat wieder etwas weiter Richtung Grote Markt zu gehen; dort finden sich eine ganze Reihe von Bistros mit Sandwiches und Baguettes für den nicht ganz so großen Hunger. Das Gregory’s hatte nicht nur die größte Auswahl an Baguettes, sondern wohl auch den fixesten Service. Und eben sehr leckere Baguettes. Sonst geht es über den Oude Koornmarkt weiter zum Handschoenmarkt, vor die Kathedrale. Auch dort Cafes und Kneipen zum Pausieren oder Abkühlen.

Achten sollte man in Antwerpen auf die vielen kleinen Plätze, Hinterhöfe und Oasen, die oft mit mindestens einer Kneipe oder einem Cafe ausgestattet sind und zum Verweilen einladen. Nächste Stationen sind Oude Beurs, Hofstraat, Wolstraat bis zum ebenfalls malerischen Hendrik Conscienceplein vor der Jesuitenkirche St. Carolus Borromäus. Zwischendurch passiert man eben immer wieder malerische Fleckchen und es kostet ein paar Minuten, Architektur oder einfach mal Kuriosität zu bestaunen. Am Ende führt der Weg wieder zurück zum Rathaus. Der Appetit treibt auf dem Weg durch die Stadt zurück in eine Pizzeria. 4.20€ für eine große Margerita, das sind übliche Preise und man wird sehr freundlich und zuvorkommend bedient. Die nicht seltene deutsche Miesepetrigkeit der Bedienung in Gaststätten fehlt hier völlig. Zum Glück.

Vom Rathaus geht es zurück zum Hotel, dieses Mal gehen vom Rathaus Richtung Meir, ein wenig Schaufester schauen und bis zur Oper zurück. Der Hauptbahnhof von Antwerpen soll sehr sehenswert sein, er liegt fast vor der Straße zum Hotel und bekommt noch einen Besuch abgestattet. Tatsächlich erinnert er mehr an eine Kirche als an einen Bahnhof, oder wie in einem Buch steht: Eine Kathedrale der Eisenbahn. Und so ist es, der Bau von 1905 erinnert wirklich an eine Kathedrale.

Von der Pommesbude bis zum Franzosen

Ich glaube ich habe noch kaum eine Stadt gesehen, in der es so viele Kneipen, Restaurants, Bistros, Imbissbuden und Lebensmittelgeschäfte gibt wie in Antwerpen. Das Angebot ist mehr als erschlagend, man weiß eigentlich gar nicht mehr, was man nun essen soll. Dabei halten sich die Preise im Rahmen: für eine Pizza Margerita 4.20€, und geschmeckt hat sie auch gut, der Service hervorragend, was will man mehr.

Da gibt es eine Kneipe, die hat 200 Genever-Sorten im Angebot, eine andere 180 verschiedene Biere. Bei den Restaurants sind natürlich Italiener, Griechen, Türken und eben Belgier in der Übermacht, aber ebenso liegen Inder, Thai, Chinesen oder Pakistani gut im Rennen. Und wo viele Juden zu finden sind, gibt es auch kosher Essen. Sandwiches, Toasts, Baguettes, Kuchen, Eis, Süßigkeiten, Pralinen, Frits, Döner? Alles immer im Überfluß. Das war schon beeindruckend.

Weiter zum Hotel geht es am Bahnhof nach links, man streift das Diamanten- und das Judenviertel. Sehr anheimelnd ist diese Gegend nicht, Baustelle dazu, Das Hotel liegt also so quasi auf der Grenze zwischen dem alltäglichen Antwerpen und der glänzenden, herausgeputzten Einkaufswelt. Aber auch diese Seite Antwerpens ist nicht ohne Reiz. Zurück zum Hotel, vom Autofahren und Pflastertreten gab es heute zum Ermüden genug.

Neben Brabo gibt es aber noch eine wichtige Person, die in Antwerpen eine große Rolle spielte und spielt. Rubens, der die dicken Weiber gemalt hat. Über den berichte ich hier aber nicht, denn mit Malerei kann ich eigentlich wenig anfangen. Bitte bei Wikipedia nachschauen.

Freitag, 7. Juli 2006: Tour 2 durch Antwerpen

Wenigstens steht fest, was heute anliegt:

Tour 2: Hafen und neuere Geschichte

Diese Tour fand ich nicht so interessant wie die erste, aber wert gemacht zu werden ist sie allemal. Sie führt wieder vom Rathaus zum Steenplein und weiter zum Lotsenwesen, Loodswezen. Danach passiert man die nördlichen alten Hafenbecken, geht weiter durch das ehemalige Hafengebiet, bis man so ab Falconplein wieder in die Altstadt gelangt. Die weiteren Stationen sind im Thema Architekur ganz interessant, es tauchen sehr viele Stile und Bauformen auf. Das Heftchen erklärt und benennt diese Abschnitte für seine Größe ganz ordentlich.

Spätestens am Vleeshuis ist man wieder in der Altstadt und gelangt wieder zum Rathaus zurück.

Die Sache mit der Hand

Im Wappen Antwerpens finden sich zwei Hände, in den Süßwarenläden liegen kleine und große Hände aus Schokolade, und auf dem Brunnen vor dem Rathaus schmeißt der Typ wohl gerade eine Hand durch die Gegend. Dazu gehört die Legende, die Antwerpens Geschichte betrifft. Mal auf die Figur oben auf dem Brunnen achten, die wirft mit der Hand der gleichen Körperseite, auf dessen Bein sie steht. Versucht das mal selbst, ist ein kleiner Fehler an der Skulptur.

Es begab sich aber zu einer Zeit, dass ein Riese namens Antigon den Schifffahrern in der Schelde arg zusetzte. Er verlangte von den Leuten die Herausgabe ihrer wertvollen Fracht, was den Hafen für die Seefahrer nicht eben beliebt machte. Denn wenn sich ein Käpitän weigerte, hackte ihm der Riese die Hand ab und warf sie in’s Meer. Das war nicht gut für Antwerpen. Aber er hatte die Rechnung ohne Brabo gemacht. Der war ihm nämlich, obwohl nur Mensch, über und besiegte den Riesen, hackte dann ihm die Hand ab und warf sie in’s Meer. Damit war Antwerpen befreit und konnte sich zu der reichen und bedeutenden Stadt entwicklen, die sie noch heute ist.

Und nun verstehen wir auch den Brunnen vor dem Rathaus. So war das damals, mit Antigon und Brabo. Und den Begriff Brabo findet man an allen möglichen Stellen in der Stadt.

Da es ja heute noch früher ist, gibt es nach dem leckeren Baguette bei Gregory’s in der Hoogstraat eine Rundfahrt durch den Hafen von Antwerpen. Sie wird gebucht am Pier 14 am Steenplein, beginnt aber mit den Schiff eine gute Viertelstunde Fußweg entfernt um 14:30 an der Londonbrücke. Der Hafen ist durch seine schiere Größe und Komplexität schon beeindruckend, was dort so an Gütern durchgeht stellt man sich kaum vor. Wirklich von Wert ist die Fahrt aber wahrscheinlich mehr für echte Schifffahrtsfans. Eventuell hätte man besser die Rundfahrt durch die Schelde genommen.

Aber so wird wenigstens den Nachmittag angenehm verbracht, bevor es nach einem Gemüse-Burger bei MacDonalds wieder in’s Hotel geht. Was nun den ganzen Tag so schön war, wird während unseres Rückweges danieder gemacht. Es fängt an zu schütten wie aus Eimern, gezwungenermaßen verbringt man einige Zeit in Garageneinfahrten und Haustüren, um nicht völlig durchnässt zu werden. Schließlich komme ich zwar durchfeuchtet, aber wenigstens nicht pudelnass in das Hotel. Schließlich geht es morgen weiter nach Calais.

Back on Gower

Und da wir Einiges schon hatten …

… konzentriere ich mich in meinen weiteres Schilderungen auf neue Touren, oder Touren, die nun anders gemacht wurden. Denn schließlich war ich ja schon im letzten Jahr hier.

Samstag, 8. Juli 2006: Calais – Dover – Swansea – Penmaen

Keine besonderen Vorkommnisse. Aber Antwerpen ist miese ausgeschildert, ich finde den Autobahn-Ring nicht. 15 Minuten Verlust. Stau bei Brugge, noch mal 20 Minuten, weil sich ein Tank-LKW in den Seitengraben gestürzt hat. Fähre in Calais trotzdem erwischt, sogar pünktlich. Dank einem belgischen Audi-Fahrer, der die Autobahn vor mir mit 150km/h frei räumte. Bis Oostende jedenfalls. Endlich auf der Fähre, aber nun muss für ein Besatzungsmitglied auf einen Krankenwagen gewartet werden. 30 Minuten Verspätung.

Erste Einkäufe und Mittagessen in Folkstone, direkt an der Autobahn liegt übrigens ein großes Einkaufszentrum, sieht man auf den ersten Blick nicht, erst wenn man fast vorbei ist. Bei Saintsbury’s gibt es leckere Sandwiches und Rolls zu kaufen, so ist das Mittagessen gesichert. Endlich mal kein Stau auf der M25, flüssig über die M4 bis Swansea, endgültiges Einkaufen in Swansea, wo gerade die halbe Stadt wohl neu aufgebaut wird. Und jetzt gibt es auch einen Lidl mitten in Swansea, gegenüber dem Saintsbury’s auf der anderen Seite der Straße. Weiter durch Kittle und Pennard nach Penmaen, seltsam vertraut alles. Ich erreiche Mulberry Hill, nichts hat sich verändert zum letzten Jahr. Peter und Sian sind unterwegs, aber Kitty wartet schon mit einer freundlichen Begrüßung. Eine Katze, die man gefüttert hat, vergisst einen nicht.

Aber … leider Regen. Dann eben nur auspacken, Abendessen, Duschen und ein bisschen Fernsehen. Deutschland spielt um den dritten Platz in der WM, Schweinsteiger macht ein großartiges Spiel und Deutschland gewinnt 3:1 gegen Portugal. Geschafft.

Sonntag, 9. Juli 2006: Deja vúe, Green Cwm

Es ist zwar diesig, aber es geht trotzdem los auf eine Tour durch vertraute Gefilde. Im Prinzip war die die Runde schon in 2005 bekannt, aber eben andersherum. Es ist aus dem Buch (3): A Walk through History, durch das Green Cwm, sehr malerisch und sehr grün, an der Parc le Breos Farm vorbei zum Parkmill Heritage Center. Beim letzten Mal übersehen wurde Catshole, eine steinzeitliche kleine Höhle, und Giant’s Grave, eine Begräbnisstätte aus der Zeit 3500 bis 3000 v.Chr.

Kurz vor Parkmill gibt es eine leckere Portion Walderdbeeren am Wegesrand. Übrigens gibt es im Sommer in Parkmill eine ganze Latte von Veranstaltungen wie Folk Festivals, Jazz Weekends, Guitar Festivals etc. pp.

Die Tour wird nun abgewandelt, es geht von Parkmill am Penmaen Castle vorbei, die übliche Rucksackmahlzeit zwischendurch, weiter zum Three Cliffs Bay, zum Thor Bay, hinauf nach Penmaen zurück. Im Laufe des Tages ist nun auch die Sonne heraus gekommen, das Wetter angenehm und die Luft nicht kalt und trotzdem erfrischend. Nur stürmisch ist es geworden, um nicht zu sagen: sehr stürmisch. Nach dem Abendessen noch den Gang auf den stillen Hügel hinauf, der bei diesem heftigen Wind alles andere als still ist, fast bis King Arthur’s Stone weiter und man trifft auf eine Herde von 30 oder mehr wilden Ponys, die durch die Gegend streifen.

Nach dem Zubettgehen hat es wieder angefangen zu regnen. Aber der Regen auf das alte Dach und der Wind, der um das Haus pfeift, wirken eher wie ein Wiegenlied.

Montag, 10. Juli 2006: Caswell Bay nach Mumbles und zurück

Eine Tour wurde im letzten Jahr begonnen, als es von Swansea vom Autoscheibe-Reparieren-Lassen zurück ging, aber es war nur wenig Zeit und zu war es notwendig umzukehren. Es ist die Strecke von Caswell Bay nach Mumbles, pro Strecke gut 100 Minuten Gehzeit, mit Pausen und Kaffee im Verdi’s am Mumbles Pier. Zwar schien am Morgen das Wetter gar nicht so gesonnen, aber die Aussage im Wetterbericht „mostly dry“ ließ hoffen. Es blieb auch so, bis auf einige wenige vereinzelte Tropfen kein Regen, dafür weiterhin kräftiger Wind und fast durchgehend geschlossene Wolkendecke.

Parken direkt am Caswell Bay, ein Tagesticket kostet, wie überall in der Gegend, 3.30£. Links neben dem Zugang zum diesmal wenig bevölkerten Strand beginnt der größten Teils asphaltierte oder betonierte Weg, mit leichten Auf- und Abstiegen, für den Geübten ein netter Spaziergang. Erste Station ist Langland Bay, ein richtiger Touristenort mit Cafes, Fish&Chips-Stationen und Strandhäuschen. Direkt daran schließt sich Rother’s Tor an, ein kleinerer Nebenort. Die Strecke führt fast die ganze Zeit an der Küstenlinie entlang. Nur ganz selten muss man mal ein wenig in die Hügel.

Erstes Kennzeichen, dass man sich The Mumbles nähert, ist die Küstenwache, die hier für Wales ihre Zentrale hat. Hier endet der Fußweg und Straßen mit Bürgersteigen führen zum Pier und weiter bis nach Mumbles hinein. Ein Kaffee im Verdi’s muss aus historischen Gründen schon sein, nicht billig, aber immer wieder nett. Auch wenn man hute nicht draußen sitzen kann. Noch ein kleiner Abstecher nach Mumbles hinein und es wird langsam Zeit für den Rückweg. Denn Pausen und Ausblicke bieten sich auf der Strecke immer wieder an.

Der Rückweg geht nun ein büschen anders: am Ende von Mumble’s Geschäftsstraße zum Pier hin, gegenüber des Spielplatzes, weist das bekannte Schild auf einen Wanderweg hin, der zwischen den Häusern rechts beginnt. Dies ist ein städtisch angelegter und gepflegter Weg, er steigt bis auf den Hügel hinter Mumbles hinauf und kommt an der Küstenwache wieder herunter. Der Ausblick vom Hügel ist sehr zu empfehlen, man überschaut Mumbles und die See bis nach Swansea hinein, Schilder weisen auf Lagen von Gebäuden und Sehenswürdigkeiten hin.

Gegenüber der Küstenwache und des zugehörigen Parkplatzes zeigt ein weiteres Wanderschild auf einen alternativen Pfad zurück, direkt links neben der Eisdiele. Dieser Weg verläuft etwas oberhalb des Hinweges, ist aber auch gut zu gehen und ermöglicht weitere Ausblicke. Kurz von Rother’s Tor kommt man wieder auf den Hauptweg. Mit Pausen und Stops ist man insgesamt schon drei bis vier Stunden unterwegs, geht man noch nach Mumbles hinein, auch länger. Netter Weg, nicht sehr anstrengend.

Kaum zuhause, beginnt der Regen langsam und steigert sich. Aber der BBC-Wetterbericht verspricht für den nächsten Tag „mostly sunny and dry, up to 21°“. Ein Blick in die Gezeitentabelle, es würde sich die 2005 abgebrochene Tour nach Worm’s Head empfehlen.

Dienstag, 11.Juli 2006: Rhossili Bay, Worm’s Head

Jawoll, schon am Morgen Sonne und blauer Himmel. Etwas kühl, 15°C Lufttemperatur. Obwohl der Tag gestern so verhangen und dann auch regnerisch war. Eben See-Wetter. Auf nach Rhossili. Letztes Jahr war auch die Tour abgebrochen worden, weil es anfing zu regnen.

Dieses Mal passt alles, das Wetter, Low Tide um 12:56h, aber schon um 10:45h ist der Causeway wegen des niedrigen Tidenstandes frei zu begehen. Heute fällt die Strecke über den Causeway zum ersten Hügel leichter als im letzten Jahr, wir haben ja auch nicht vorher erst Rhossili Down gemacht. Auf den ersten Hügel hinauf, wieder herunter, durch einen sehr schroffen Felsenabschnitt zum zweiten Hügel. Erst über Devil’s Hole drüber, da ist nicht viel Platz zum Gehen. So erreichen wir den letzten Hügel, erst über einen Weg im Hang aufsteigend, die letzten Höhenmeter muss man dann im Fels auf die Spitze klettern, was aber auch ältere Leute hinter und vor uns geschafft haben.

Nach gut einer Stunde Gehzeit, vom Causeway bis zur Spitze von Worm’s Head, stehen wir auf dem westlichsten Punkt von Gower.

Die Aussicht von hier auf Rhossili Bay und die Küstenlinie ist die Mühe des Weges wert. Denn einfach oder mühelos ist der Weg nicht, einige Leute machen schon in der ersten Felsgruppe kehrt, weil Kondition oder Trittsicherheit fehlen. Trotzdem tauchen auch Japaner in Turnschuhen auf, zu empfehlen ist diese Art der Ausstattung sicher nicht.

 

Aber die Tour an sich ist ein Muss, Rhossili Bay und die Gegend drumrum sind nicht umsonst bei der Erwähnung von Gower als Erstes auf der Liste der Sehenswürdigkeiten.

Zurück zu Rhossili Bay und in der ansteigenden Flut den Strand entlang, am späten Nachmittag dann zurück nach Penmaen. Etwas müde, etwas angekokelt. Aber wer hatte schon mit so tollem Wetter gerechnet?

 

Mittwoch, 12. Juli 2006: Penmaen – Penrice – Oxwich – Southgate – Penmaen

Eigentlich hatte der Wetterbericht besseres Wetter angekündigt, das einen Ausflug in die Black Mountains gestattet. Aber tiefhängende Wolken und Dunst erforderten Umdisponieren. Man kann ja auch einfach mal so auf Gower ein wenig los. Toll, am Abend war ich dann wieder zurück. Man kann nämlich auch einen eigenen Rundweg auf Gower „erfinden“, der verschiedene Varianten und Teilstrecken ermöglicht. Macht man diesen Trek, sind es gut und gerne sechs Stunden Gehzeit, aber man kann auch abkürzen.

Los geht es vom letzten Parkplatz in Penmaen auf der Oxwich-Seite an der Penmaen Borroughs. Dort führt der Weg durch das Gatter herunter Richtung Tor Bay. Wenn auf der rechten Seite der alte Kalkofen auftaucht, biegt man in seine Richtung ab und hält sich auf dem Dünenweg Richtung Nicholaston (Explorer-Karte mitnehmen!). In Höhe der Nicholaston-Farm geht der Weg kurz zur Farm und zum Campingplatz hinauf, man geht dann sofort wieder links herunter, Richtung Nicholaston Woods, dies ist auch an der Farm ausgewiesen. Die Nicholaston Woods sind alt, urwaldartig und düster, ein richtig schönen Hexenwald. Der Weg geht auf und ab, man hält sich immer auf dem Hauptweg. Er wechselt zwischen breit und komfortabel, und abenteuerlich.

Am Ende stößt der Weg auf die Straße nach Oxwich. Wer jetzt schon keine Lust hat, geht die Straße links nach Oxwich herunter. Oder man geht die Straße rechts hinauf bis zum alten Schlosstor, ein Stückchen auf der A4118 links Richtung Port Eynon. Kurz später ist nach links ein Fußweg ausgewiesen, dieser führt auf privatem Gelände zu einem alten Herrenhaus, rechts liegen die Ruinen von Schloss Penrice. Da dies Privatgelände ist, ist der Zutritt zur Ruine nicht gestattet. Aber das etwas heruntergekommene Anwesen ist beeindruckend. Nach einiger Zeit verlässt man das Gelände wieder durch einen Überstieg links vom Eisentor. Auf der anderen Seite der Straße ist nun Millwood angezeigt, eine alte Mühle, mit Beschreibungen zur Geschichte und verschiedenen Schildern. Man folgt dem Pfad am alten Fischteich vorbei, hält sich am Ende an der T-Kreuzung links und nur wenige Meter später wieder links. So kommt man auf die Straße nach Penrice und geht in das Dorf weiter. Penrice hat die älteste Kirche Gower’s, aus dem 12. Jahrhundert; ansonsten ist Penrice nicht mal ein richtiges Dorf. Von Penrice geht es auf einer schmalen, wenig befahrenen Straße weiter nach Oxwich, dort ist die erste Gelegenheit zu einem Kaffee oder einer Cola, oder einer Portion Fish&Chips. Also auf Selbstversorgung achten.

Weiter über die Straße zu Oxwich Bay, am Strand entlang zurück Richtung Tor Bay bzw. Penmaen. Hat man nun Glück, oder gut geplant, ist Ebbe mit möglichst niedrigem Wasserstand und man kann von Tor Bay zu Three Cliffs Bay hinüber. Wenn nicht zugänglich, geht man von Tor Bay aufwärts durch die Dünen nach Penmaen zurück und kommt direkt wieder zum Parkplatz.

Kommt man aber wegen Low Tide zu Three Cliffs Bay, und braucht man noch Toast aus dem Laden in Southgate, geht man über Pobbles Beach links hoch auf die Dünen Richtung Southgate; dort wieder Einkehrmöglichkeit im Coffee Shop & General Store, und einen schönen Ausblick über die Küstenlinie gibt’s dazu. Zum Schluss die Hauptstraße durch Southgate am General Store vorbei Richtung Norden, an der Post vorbei (Briefmarken kaufen nicht vergessen!) bis zum Golfplatz und dem Clubhaus. Dort ist hinter dem Clubhaus ein Fußweg nach Parkmill und zum Penmaen Castle angezeigt. Man geht nun über den Golfplatz und achtet auf tieffliegende Golfbälle. Am Penmaen Castle angekommen, geht man entweder links an der Ruine wieder zum Threecliffs Bay hinab, über den Holzsteg und die Stehlen über den Pennard Pill, den Weg hinauf zur Northhill Farm und auf der A4118 nach links zum Parkplatz. Oder man geht als weitere Steigerung vom Schloss aus herunter nach Parkmill, dann links über den Waldweg parallel zur A4118 zur Northhill Farm hinauf und zum Parkplatz weiter A4118 Richtung Oxwich.

Oder man hält sich in Parkmill am Heritage Center zum Reitstall Parc le Breos, biegt davor, wo an einem Gitter „Private Ground“ ausgewiesen ist, nach rechts in das malerische Tal Cwm Green, am Giant’s Grave und Catshole vorbei, an der kommenden Wegkreuzung links hoch durch den Wald Richtung Penmaen. Kommt man aus dem Wald heraus, hält man sich nach links, bis man am Three Cliffs Care Home auf eine kleine Straße stößt, der Hügel Cefn Bryn liegt nun rechts. Auf der kleinen Straße nach rechts, an Mulberry Hill (meinem Zuhause hier) vorbei, am Ende kommt ein Cattle Grid, über die Straße wieder zum Parkplatz. So, dieser letzte Abschnitt Tourenbeschreibung war speziell für die Masochisten.

Und nun tun mir die Füße weh, und morgen regnet es hoffentlich. Also wie gesagt: nur eine Einkehrmöglichkeit in Oxwich, einige Versionen abzukürzen, oder auch auszudehnen. Aber eine schöne Tour mit vielen Eindrücken von Gower.

Der Country Code

Wanderer werden in Wales gebeten einige Hinweise zu beachten, die dem Schutz der Wanderer als auch der Natur dienen. Ich finde diese Regeln sehr gut und richtig, sie gelten so auch für den Hermannsweg, den Rennsteig oder den nächsten Stadtpark. Würden diese Regeln überall beachtet, würde manche Ecke etwas netter aussehen.

Be safe – plan ahead and follow any signs

Das fängt damit an, dass man Wetter und Wegbedingungen berücksichtigt. In Badeschlappen den Causeway zu Worm’s Head zu machen ist sicher abenteuerlich, aber wenig gesund. Und wie schnell Gezeiten wechseln, muss man mal gesehen haben; der Felsen, der gerade noch frei lag, kann in 10 Minuten schon unter Wasser sein. Eventuell macht man anderen Leuten auch Schwierigkeiten, weil die einen wieder daraus holen müssen. Bezüglich Wege gelten folgenden Zeichen (es gibt in Wales kein Right Of Way!):

Ein gelber Pfeil ist ein frei zugänglicher Fußweg, ein blauer ein Reitweg und ein roter ein Nebenweg. Auf die Beschaffenheit des letzteren sollte man sich nicht verlassen. Eine Eichel kennzeichnet National Trails, also gepflegte und dokumentierte Streckenwege.

Ein Fußgänger-Symbol deklariert Open Access, also man darf diesen Weg benutzen, er ist öffentlich, hat aber keine Qualitäts-Standards. Ansonsten Schilder im Detail lesen, es kann auch drauf stehen ‚Private access‘. In diesem Fall ist das immer Privategelände. ‚Private access for vehicles, use footpath‘ gibt den Weg für Wanderer frei, für Autos nicht.

Leave gates and property as you find them

Ist ein Gatter geschlossen: bitte wieder schließen, sonst macht sich das Vieh des Bauern auf den Weg. Benutze Tore und Übergänge. Maschinen und Vieh werden in Ruhe gelassen.

Protect animals and plants, take your litter home

Es ist wundersam, dass Leute ihre Schokoriegel oder Getränkedosen über Kilometer schleppen, die leere Verpackung aber nicht wieder mitnehmen können und in die Gegend werfen. Sie sind nicht nur hässlicher Müll, sie gefährden auch Tiere, zerstören Pflanzen und können sogar Brandgefahr bedeuten. Blumen sind schön am Wege, abgepflückt nimmt man seinen Mitmenschen etwas und die Pflanzen sind bald kaputt. Wildtiere und auch Vieh kann sich bei Annäherung unberechenbar verhalten, auch eine Kuh kann ganz schön wild werden.

Keep dogs under close control

Sie gefährden Nutz- und Wildtiere, verschmutzen Wege. Gegenüber Jungtieren kann in jedem Hund der Jagdinstinkt durchbrechen. Auch Vögel und deren Eier sind durch Hunde gefähdet. Hunde können Krankheiten verbreiten (z.B. Würmer und Flöhe), mit denen Wildtiere Probleme bekommen. Und den Satz ‚Der beißt nicht, der will nur spielen‘ kann ich auch nicht mehr hören, Dein Wuffi kann für Leute störend oder sogar beängstigend sein. Also Hunde an die Leine.

Consider other people

Wohl der wichtigste Satz von allen. Herumlärmen, Gekreische, mit acht Leuten nebeneinander gehen und nicht ausweichen, Mountain Bikes auf Wanderwegen, das versaut nicht nur einzelnen Zeitgenossen die Laune, es ist eine Unverschämtheit. Niemand hat die Natur für sich gebucht, wir teilen sie miteinander. Und nicht zuletzt: das Land, auf dem Ihr unterwegs seid, ist für einen Bauern sein Lebensunterhalt. Also nicht zerstören oder mitnehmen.

Zusammengefasst: Leave only footprints, take only photographs, keep only memories.

Donnerstag, 13. Juli 2006: Strand, Schwimmen, Sonne

Schon am Morgen scheint die Sonne, herrliches Wetter, denn die Luft ist klar und noch kühl. Nach den letzten zwei anstrengenden Touren gibt es heute eine Auszeit, zuerst durch ein gepflegtes Mittagessen im Oxwich Hotel, dann etwas Stromern durch Oxwich Woods, zuletzt zuhause (im Moment ist Mulberry Hill Zuhause) einen Kaffee in der Sonne. Der Nachmittag wird am Strand von Three Cliffs Bay verbracht, bei einem Wechselspiel von Sonne und Wolken, Wellen und Wind. Aber es ist warm, warm genug um in der Sonne zu liegen und zu dösen. Ach ja, das ist übrigens Kitty, eine der zwei Katzen in Mulberry Hill. Und meine Lieblingskatze hier.

Morgen soll das Wetter so weiter gehen. Also erste Planungen für die Black Mountains. Peter hat eine alte Karte mit drei eingezeichneten Touren und leiht sie uns, Nudelsalat ist auch schon fertig. Dann man morgen früh raus.

Freitag, 14. Juli 2006: Brecon Beacons National Park, Black Mountains

Hardly to believe. Am Morgen scheint die Sonne geradezu gleißend in’s Schlafzimmer, der Himmel ist blau und klar. Der Wetterbericht droht 26°C für Swansea, fast schon ein bisschen zu heiß zum Wandern? Egal, frühstücken, packen, und los.

Die Black Mountains

… sind eigentlich drei Bergzüge, die nebeneinander fast vollständig im Breacon Beacons National Park liegen. Getrennt sind sie durch breite Täler, Felder und Wiesen. Nördlich von Swansea und Cardiff gelegen ebenso, neben Snowdonia und Pembrokeshire, ein großes Wander- und Feriengebiet.

Mit dem Pen Y Fan (886m) sind die Black Mountains die höchste Erhebung in Süd-Wales, erst im Norden von Wales geht es mit dem Gebiet rund um den Mount Snowdon noch deutlich weiter nach oben. Durch Erklärung zum Nationalpark wird diese Ecke vor industriellem Ausbau und überuferndem Tourismus geschützt. Wegen der Erzvorkommen in dieser Gegend finden sich heute noch viele Reste von Bergbau, Erz ist irgendwie auch immer in Sicht, sei es Kupfer- oder Eisenerz.

Mehr Details über die Black Mountains hier oder auch hier, jeweils in Englisch.

Da die Zeit begrenzt ist, wird nur eine Ecke aus dem Nationalpark angegangen, obwohl man im gesamten Park wahrscheinlich Monate unterwegs sein könnte.

Nach ca. 70km ab Swansea und ca. 90 Minuten Fahrt über Neath in Richtung Black Mountains auf der A465 kommt man in Merthyr Tydfil in die heiße Zone, wenige Kilometer später beginnt nördlich der Nationalpark. Kurz vor Merthyr Tydfil geht von der A465 eine Abfahrt Richtung Trefechan ab. Diese Nebenstraße ist nicht leicht zu erkennen, ich habe sie auch erst beim zweiten Versuch erwischt. Auf dieser Straße hält man sich Richtung Pontsticill, am Pontsticill Stausee links vorbei, weiter Richtung Neuadd. Nun kommt bald auf der rechten Seite ein größerer Parkplatz, auf man bequem bleiben kann, jedoch nicht ohne das Bedienteil des Autoradios mitzunehmen. Selbst hier wird vor Dieben gewarnt. Die Tour auf der Karte in diesem Foto (grüne Route).

Nach 400m weiter die Straße hinauf biegt links der Taff Trail ab, Fahrradroute ‚8‘, es geht über längere Zeit langsam aber stetig aufwärts. Nach ca. einer Stunde verengt sich das Tal und man sieht den Pen Y Fan, den Cribyn und den Pen Y Big, die drei höchsten Berge hier. Auf letzteren Berg, 719m hoch, geht es heute hinauf. Am Ende des sich verjüngenden Tal kommt ein Sattel, auf der anderen Seite ginge es wieder in’s nächste Tal hinab, nach link zum Pen Y Fan. Rechts geht ein steiler Anstieg hinauf, der einen auf den Pen Y Big bringt, von dort oben eine tolle Ausicht auf die umgebenden Talkessel, den Pen Y Fan und die Höhenzüge der Black Mountains rundherum. Mittlerweile hat sich mit jedem gewonnenen Höhenmeter ein Wind entwickelt, der auf den Höhen schon manchmal das Gehen nicht einfach macht. Nur wo sich der Wind zwischen Felsen teilen muss, ist er erträglich. Genau dort muss der Nudelsalat dran glauben.

Ein großer und ein kleiner Kessel werden umrundet, auf hier wirklich beeindruckende Aussichten, die sich mit den ‚richtigen‘ Gebirgen wie die Alpen messen können. Nicht so monumental, aber dafür grüner, sanfter und genauso weitläufig. Nach der großen Höhenrunde nimmt man am Ende des Bwlch Ddwyallt den Weg zurück Richtung Beginn der Tour.

Wieder geht es lange fast eben an der Rückseite des überwanderten Bergrückens zurück. Nicht mehr so spektakulär, aber mit Aussichten in die Täler und auf angrenzende Höhenzüge. Der nette Felsengarten bietet sich für eine weitere Pause an, bis man zu einem langen und steilen Abstieg kommt, der wieder in die Nähe des Ausgangspunktes der Tour führt. Noch mal kurz verlaufen, dann die Straße hinab Richtung Parkplatz.

Nimmt man sich Zeit zum Schauen und gemütlichen Wandern, braucht die Tour ca. fünf Stunden Gehzeit. Ein reiner Spaziergang ist die Runde trotzdem nicht, Kartenmaterial ist schon wichtig und entsprechende Ausrüstung auch. Beispiel ist der erwähnte Wind: ein Pullover wäre schon ganz angenehm gewesen, auch wenn es im Tal mit 24 oder 25°C doch eher warm war. Am Pontisticill Reservoir ist Zeit und Ruhe für eine zweite Rücksack-Mahlzeit, bevor es wieder in Richtung Gower geht.

Die Black Mountains, mindetstens an dieser Stelle, sind eine wundervolle Gegend. Nicht vergleichbar mit den Dolomiten, aber erstens haben die Dolomiten nicht in gut einer Stunde Strand und Meer in Reichweite, und zweitens ist es hier grüner, gemütlicher und ein angenehmeres Klima ist das auch, Sonne und kühler Wind. Schade, dass dieses Gebiet so weit von Gower weg ist, ideal wären vielleicht eine Woche Black Mountains und eine Woche Gower. Aber selbst eine Woche würde dem Nationalpark nicht gerecht. Vielleicht kommt es ja doch noch zu einer zweiten Tour.

Es geht zurück nach Swansea, noch in den Saintbury’s für den Wochenend-Einkauf. Für heute reicht’s.

Samstag, 15. Juli 2006: Am Strand, und noch eine kleine Runde

Das Wetter bleibt, noch ein oder zwei Grad mehr sollen es werden. Sonne und blauer Himmel.

Nach der Tour von gestern ist heute Gelegenheit für etwas Ruhe, mal wieder ein warmers Mittagessen und dann Richtung Three Cliffs Bay zum Faulenzen. Nun hat das gute Wetter auch den Effekt, dass ganze Autoströme aus Richtung Swansea anrollen, man kommt mit dem Auto fast nicht aus den Seitenstraßen der A4118 heraus. Am Strand von Three Cliffs ist das Schlimmste zu befürchten, aber Pustekuchen: es ist immer noch Platz ohne Ende, als voll kann für gängige Begriffe der Strand überhaupt nicht bezeichnet werden. Ist eben Gower, und nicht Ostsee. Wahrscheinlich ist in Caswell oder Oxwich schon mehr los, aber hier lässt es sich aushalten. Nach anfänglichem Zögern geht es dann sogar in’s Wasser und das Schwimmen im kühlen Atlantik ist eine Wonne. Danach erst mal wieder in der Sonne zum Aufwärmen.

Um nun doch noch etwas auf die Beine zu kommen, gibt es aus ‚Circular Walks in Gower‘ noch am Abend die Tour 2, mit dem Abendessen im Rucksack. Die geht von Burry Green am Burry Pill entlang bis zur alten Kirche in Cheriton (war schon im letzten Jahr Programm) und wieder zurück. Zwar ist ein Weg aus der Beschreibung der Runde inzwischen verschwunden, aber man kann sich da so durchfummeln und ist dann auch erst nach zehn wieder in Penmaen.

Dafür waren dann auch ein paar neue Ecken hier zu sehen, nett auf einer Kuhwiese zu Abend gegessen, und noch ein paar weitere nette Ferienhäuser entdeckt. Jedenfalls weiß man nun, dass man Gower schon ganz gut kennt. Wenigstens verläuft man sich nicht mehr hemmungslos und hat eine gewisse Orientierung.

Sonntag, 16. Juli 2006: Whitefort Lighthouse

Diese Tour aus Dr. Avery’s Buch wurde im letzten Jahr noch nicht gemacht, auch aus Zeitgründen. So wird sie nachgeholt, auch wenn die Sonne wieder brennt, bei blauem Himmel und noch etwas höheren Temperaturen als in den letzten Tagen.

Die Runde auf Seite 58 führt von Llanmadoc bzw. Cheriton hinter dem Britannia Inn an den Rand des Marschlandes am River Loughor, entlang dem Burry Pill. Erst durch ein Waldgebiet, dann durch offenes Gelände führt der Weg. Es ist Mittag und es ist warm, die Pinienwälder am Berges Island bieten Schatten und Gelegenheit für eine längere Pause. Weiter führt der Weg zum alten Leuchtturm, dem Whiteford Lighthouse. Leider sind wir zwei Stunden zu früh dran, die Ebbe ist noch nicht da, und der Leuchtturn noch nicht zu Fuß erreichbar.

Am Whiteford Sands entlang kommt man zurück Richtung Cwm Ivy, ein schier endloser Strand mit reinem Sand, kaum einem Stein und kaum einer Alge. Trotz Temperaturen über Mitte Zwanzig Grad, Sonne, geringem Wind und blauem Himmel sind kaum ein Dutzend Leute an diesem über fünf Kilometer langem Strand. Erst durch Cwm Ivy hindurch, dann weiter nach Llanmadoc schaue ich mir noch mal den Platz an, wo mir im letztem Jahr unter ungünstigen Umständen das Autoradio inklusive Seitenscheibe verloren gegangen ist. Heute kann ich drüber lachen, damals sah ich das natürlich anders.

Es geht nach Cheriton zurück, wo den ganzen Tag das Auto im Schatten stand, ich entscheide mich gegen einen letzten Drink im Britannia Inn und mache mich auf den Weg nach Penmaen. Um im schönen Garten zu sitzen, Katzen zu streicheln und um Reiseberichte nachzuholen. Der Wetterbericht kündigt für die weiteren Tage eine Hitzewelle an, bis 32°C in London. Hier an der See ist es gut auszuhalten, mit dem Wind vom Meer.

Vielleicht dann morgen nach Pembrokeshire?

Montag, 17. Juli 2006: Pembrokeshire, St. David

Am Morgen scheint nicht die Sonne, sie brennt. Die Vorhersage der BBC auf den kommenden heißesten Tag in UK seit Jahrzehnten kann hier am Meer nicht wirklich schrecken und so geht es auf den Weg nach St. David in Pembrokeshire. Auf Gower sind es 22°, in Swansea 24°, im Landesinneren von Süd-Wales dann 28°, aber wofür hat man eine Klimaanlage im Auto? Ach ja, vor dem Besuch von Pembrokeshire empfehlen wir das Studium des Rough Guide’s Wales (siehe letzten Abschnitt, (5)).

Verlässt man Swansea, erreicht man nach ca 60 Minuten die Grafschaft Pembrokeshire, bis nach St. David sind es insgesamt 120km und gut 90 Minuten Autofahrt. St. David gilt als ein Highlight in Pembrokeshire. Wenn man ehrlich ist, ist St. David selbst allerdings nur ein größeres Dorf, dafür aber mit einer für seine Größe mächtigen Kathedrale ausgestattet, deren Ursprung bis in das Jahr 550 n.Chr. datiert sei, gegründet von eben jenem St. David, der so quasi der Gebietsheilige hier ist.

Neben der Kathedrale ist noch der Bishop’s Palace eine Sehenswürdigkeit. Details beiseite, ist der Besuch der Kathedrale ein Muss, schon wegen der unglaublichen Vielfalt an architektonischen Details und der Menge an Dingen, die man in dieser Kirche entdecken kann. Wie jede ordentliche Institution heutzutage hat St. David für seine Kathedrale eine Website. Die gesamte Anlage ist recht weitläufig, kann man schon so einige Zeit dort zubringen.

Bishop’s Palace ist nur noch in Ruinen erhalten, weil mal ein Bischof für die Verheiratung seiner fünf Töchter das Dach als Mitgift zerlegt hat. Der kann also dann, wie Bishop’s Palace ohne Dach, nicht ganz dicht gewesen sein. Der Rest dieses ehemaligen Palastes ist nicht frei zugänglich, denn er gehört Heritage, die dann auch ordentlich Eintritt haben möchten (hätte ja mal der National Trust sich an Land ziehen können).

Am besten nähert man sich St. David, indem man von Haverwestford kommend das Auto auf dem ersten Parkplatz im Ort stehen lässt (1.50£ Tagesticket), dann über die Straße in die Tourist Info geht, sich mit Prospekten versorgt und weiter in die Stadt geht. Wie gesagt, St. David ist ein Dorf, das erst 1995 überhaupt Stadtrechte bekommen hat. In der Stadt kann man dann touristische Infrastruktur genießen, also Cafes, eine italienische Eisdiele, Restaurants und Coffee Shops und auch einige Geschäfte. St. David ist ein nettes Dörfchen, aber eben nicht groß.

Nach dem Mittagessen, natürlich in bester Sonnenhitze, geht es auf einen kleinen Gang durch die Gemeinde. Dazu geht man hinter der TI die Straße nach Caerfai herunter. Von dort hat man einen guten Eindruck von der steilen, felsigen, rauen Küstenlandschaft an dieser Stelle. Bademöglichkeiten gibt es hier kaum, lediglich zwei kleine Buchten mit etwas Sand sind zu finde. Hier trifft man auf den Wanderweg Pembrokeshire Costal Path, der sich bis weit nach Pembrokeshire hinzieht. Wie gehen diesen Weg an der Küste entlang weiter, wirklich nett und interessant. Wie kommen dann nach St. Non, benannt nach der Mutter von St. David. Auch nicht mal ein Dorf, sondern ein paar Häuser, eine Kapelle aus dem Jahre 1937 und einige Ruinen. Hier stehen noch die Reste der Kapelle an der Stelle, wo St. David geboren sein soll, plus eine eingefasste Quelle. Das alles hat mit der Legende zu tun, die man besser getrennt nachliest. Von St. Non geht es wieder nach St. David zurück.

Es geht langsam auf den Rückweg zu, noch ein Stop in Solva, dessen malerischer Hafen auf der Hinfahrt aufgefallen war. Leider ist nun Ebbe, und die Böötchen liegen auf dem Trockenen. Was nicht von einem Ausflug auf einen Hügel abhält, der mal wieder eine Übersicht über die Gegend liefert. Zum Abendessen ist es noch zu früh, es geht noch ein Stückchen weiter nach Newgale. Dort findet sich am Strand, der nun auch Bademöglichkeiten satt bietet, ein nettes Plätzchen auf einem Bootssteg für’s Abendessen, bevor es endgültig nach Penmaen zurück geht.

Pembrokeshire ist wohl eine sehr vielfältige Gegend, Tenby hatten wir auf der Irland-Reise schon kennengelernt, nun St. David, nördlich davon schließen sich die großen Strände und Feriengebiete an, die wir in 2005 vor Gower zuerst anvisiert hatten. Im Bereich von St. David ist die Küste steil, rau und felsig, im Norden sind dann die Badegebiete. Mit Gower ist dies alles wenig zu vergleichen, es fehlt die Stille und Ruhe, Gower ist grüner und ländlicher, und auch hinsichtlich Umgebung abwechselungsreicher. Trotzdem war es nett, mal eine andere Ecke von Süd-Wales gesehen zu haben.

Dienstag, 18. Juli 2006: slow down …

Schon am Morgen knallt die Sonne. Da ist nur nur einen kleinen Rundgang von Killay aus sinnvoll, wo wir im letzten Jahr nach mit dem Fahrrad nach Swansea und Mumbles gestartet sind, an den Rand von Swansea. Was den einen Blackpool, ist den Leuten hier Blackpill. Der kleine Park mit Kinder-Schwimmbecken und Bistro ist gut besucht, bei 28°C kein Wunder. Für uns gibt es mal wieder ein warmes Mittagessen in Mulberry Hill, Toast mit Bohnen und Eiern, danach eine kleine Mittagspause, und dann wieder herunter nach Three Cliffs Bay an den Strand. Die momentane Wetterlage ist eine absolute Ausnahme für Wales. Das Wasser ist tiefblau, nicht eine Wolke am Himmel, die Sonne heiß und stechend.

Bei der Affenhitze genießt man das kühlende Bad im frischen Wasser, es ist ruhig und wenig los am Strand, und der leichte Wind und das Bummeln am Rande des Wassers sind reine Erholung. Es ist endlos geil an diesem Strand, nur Sand, keine Steine, kaum Algen, so gut wie kein Müll, keine kreischenden Kinder und Platz ohne Ende. Ein wunderschöner Tag und unglaubliches Wetter.

Dass sich Three Cliffs noch so darbieten würde, war nicht zu erwarten. Bis zum Abend bleiben wir am Strand. Das Wetter soll noch anhalten, trotzdem wollen wir morgen versuchen, die Tour von Horton nach Rhossili noch einmal zu machen, ähnlich wie in 2005.

Der Wetterbericht in BBC kündigt für morgen die höchsten Temperaturen in Wales an, seit es Wetteraufschreibung hier gibt. Na denn Prost …

Mittwoch, 19. Juli 2006: Mewslade, Pitton

Na ja, sooooo schlimm sieht es doch am Morgen gar nicht aus. Ja gut, warm, aber mal sehen, was sich daraus machen lässt. Mit dem Bus klappt das heute zeitlich nicht so gut, also besser mit dem Auto zur Pitton Farm, oberhalb Mewslade Bay, dem Lieblings-Badeplatz unseres Hausherren hier. Von dort geht es Richtung Horten/Port Eynon los.

Der im Vergleich zu Three Cliffs kleine Strand Mewslade sieht tatsächlich sehr nett aus, ist malerisch gelegen und nicht so direkt per Straße zugänglich, 850m von Pitton Farm und dem Parkplatz dort (Honesty Parking) . Man erreicht ihn am kürzesten von der Straße nach Rhossili, kurz davor geht es nach Pitton und zur Pitton Farm herunter. An der Farm gibt es einen Wiesen-Parkplatz, kostet 2£. Dann über die Farm, wo Mewslade Bay ausgeschildert ist. Eine der Stärken des Strandes in Mewslade Bay ist, dass er bei Flut komplett unter Wasser liegt, und dann bei ablaufender Flut sozusagen grundgereinigt ist. Leider ist in einer Stunde Flut, und im Moment nur noch ein kleines Stückchen Strand zu sehen. Aber wie gesagt, er sieht wirklich sehr nett aus.

Von Mewslade gehen wir auf den Weg links oberhalb der Küstenlinie hinauf, kein sehr steiler oder langer Anstieg, aber oben angekommen sind wir schon so gut wie nass geschwitzt. Zum Glück kommt etwas Wind auf, und die Abkühlung tut gut. Kurz später gehen wir zur Küstenlinie hinunter, weil wir lieber Felsen als Wiesen begehen möchten. Auch hier unten geht stellenweise leichter Wind; dies wäre nun zu einem Teil die umgekehrte Fährte aus 2005, wo wir von Port Eynon nach Rhossili gegangen sind. Allerdings bei so ca. 20°C, nicht bei 26° und knallender Sonne . Es kommen zwar leichter Dunst und Wind auf, die die Sonne aber nicht wirklich abdämpfen. Trotz der Hitze und der Anstrengung hat die Gegend jedoch nichts an Faszination verloren.

Wir arbeiten uns wieder durch die schmalen Wege knapp oberhalb der Wasserlinie, gehen aber am The Knack wieder nach oben zurück, weil die Flut und eine Felsnase hier den Weg versperren. Wieder zurück auf dem oberen Weg sind wir dann komplett nassgeschwitzt, wir beschließen Mittagspause. Wo sich halt nur ein Fleckchen Schatten bietet. Zurück geht’s auf dem oberen Küstenweg.

Es bleibt für heute bei einem Stück Kuchen im Oxwich Hotel und der Rückkehr zu unserer Bleibe. An einem solchen Tag sind Wanderungen eine Tortur. Aber immerhin hat es heute in London Gatwick und Surrey einen Hitzerekord gegeben: über 36°C, höchste jemals gemessene Temperatur in Großbritannien. Und wir waren dabei! Na gut, auf Gower war es nicht ganz so heiß, aber es reichte uns.

Rainer muss wieder schreiben und dabei eine schöne Folk-Sendung in BBC Radio 2 hören (irgendwie muss ich BBC Radio 2 auch zuhause kriegen). Für heute nacht sind über England und Wales Gewitter angesagt. Also Planungen offen halten und morgen weiter sehen.

Donnerstag, 20. Juli 2006: Kittle, Bishopston Valley, Pwlldu Bay

Keine Gewitter, kein Regen, aber am Morgen ist es diesig und bewölkt. Dafür auch nicht mehr so heiß, sondern knapp unter 20°. Mangels Möglichkeiten wollen wir wegen der Trockenheit der letzten Tage noch einmal versuchen, in’s Bishopston Valley vorzustoßen. Gerade im Aufbruch begriffen, fängt es an zu nieseln, hört jedoch einige Zeit später auch wieder auf.

Größeres Bild ...Das Bishopston Valley ist ein Tal, das sich von Kittle südwärts bis zur Pwlldu Bay zieht. Das Gebiet steht unter Schutz des NT, wegen seiner Flora und geologischen Besonderheiten. Man geht von Kittle gegenüber dem Beaufort Arms Pub in das Tal herunter, hält sich möglichst rechts ohne zu weit vom Bach abzukommen. Nach ca. 3.5km kommt man zum Pwlldu Bay, einer kleinen Badebucht zwischen Southgate und Langland gelegen.

Vor der Bucht geht es noch links über eine alte Brücke zu einer Wiese, wo man auf einer Bank schön Pause machen kann.

Es ist High Tide, vom Strand sieht man nicht viel. Aber die Bucht ist wegen des langen Zugangs sehr ruhig und schon ganz nett. Zurück hält man sich wieder durch das Tal, geht diesmal aber, wo möglich wieder rechts vom Bach. Vorsicht gegen Ende der Runde: man muss wieder ein wenig nach links rüber, um nicht wie wir abseits von Kittle herauszukommen (also nicht nach Kittle Church Road, sondern zum Bay, obwohl das nicht zu stimmen scheint). Siehe auch OS Map 164.

Spektakulär ist Bishopston Valley für uns nicht, es erinnert etwas an die Nicholaston Woods, etwas länger und natürlich steiniger, urwaldartig und streckenweise düster. Zu diesem Bereich bekommt man auch, z.B. im General Store in Southgate oder in Rhossili, eine Tourenbegleitung vom NT. Aber wenigstens waren wir ein bisschen vor der Tür. Den Abschluss bieten Kaffee und Kuchen im Three Cliffs Cafe in Southgate.

Freitag, 21. Juli 2006: Port Eynon, Overton Bay

Am Morgen ist es diesig und die Sonne verschwindet hinter der Wolkenschicht. Erste Vorbereitungen für die Abreise Abreise, heute mal wieder ein warmes Mittagessen. Gegen Mittag dann reißt die Wolkendecke auf, und es wird wieder sunny and bright. So auf zu zu einer letzten Runde, noch einmal nach Port Eynon, dieses Mal aber nicht zu der großen Runde bis Rhossili.

Im Vergleich zu 2005 ist hier nun wirklich Betrieb, der Campingplatz füllt sich zusehends, am Strand ist mehr los als früher. Von Trubel kann aber immer noch nicht die Rede sein.

Also gehen wir nur ein Stückchen von Port Eynon in Richtung Pitton, zum Teil an der Küstenlinie, zum Teil auf dem oben gelegenen Teil des Weges. Wir bleiben noch hier und dort ein wenig, sammeln ein paar Steine für zuhause und machen uns wieder auf den Weg zurück. Weil es auch einfach wieder zu warm wird, und schon ein kurzer Anstieg für durchschwitzte Kleidung sorgt.

Auf den Straßen ist auf dem Rückweg nach Penmaen reichlich Betrieb Richtung Horton/Port Eynon und Rhossili. Ferien haben begonnen, obwohl wir im letzten Jahr zwei Wochen später dran waren, waren solche Konvois damals nicht zu sehen. Ist auch nicht schlimm, wird die M25 am Samstag doch hoffentlich weniger voll.

Denn morgen geht es wieder in Richtung Süden, genauer bis Dover. Auf dass wir nun endlich mal in das Schloss kommen.

 

 

Samstag, 22.Juli 2006:

Wir kamen mehr als pünktlich los, wenn nicht an der billigsten Tankstelle in Swansea gerade Hochbetrieb wäre, und im Saintbury’s beim letzten Einkauf auch. Aber ich brauche noch Marmelade, und Proviant für die Rückfahrt fehlt auch noch. Macht nix, es ist ja Zeit. Die M4 ist frei, aber auf der M25 um London herum staut es sich, was sonst?. Und wenn ich nun nicht fehlerhafter Weise auf die M23 Richtung Brighton statt auf die M20 Richtung Maidstone abgebogen wäre …

Gut, Brighton ist auch auch ganz nett, bin ich ja auch gerade vor 30 Jahren zum letzten Mal gewesen. Parken weit außerhalb am Preston Park und so kommen wir auch noch etwas in Bewegung, denn bis zur Seafront sind es noch einige Kilometer.

Das alte Seebad Brighton bietet den Briten alles, was sie sich so unter Strandurlaub wohl vorstellen, außer eben Sandstrand. Ansonsten Kneipen, Discos, Restaurants und Fish&Chips-Buden, Karussels und Groschengräber. Hier findet man alles, was an stereotypischen Standards über die Briten verbreitet ist. Die Krönung ist dann Brighton Pier mit seinem Jahrmarkt und den Bingo-Hallen. Das kann man auf sich wirken lassen, und man mag es oder eben nicht. Auf jeden Fall der krasse Gegensatz zu Gower.

Dabei hat Brighton auch andere Ecken zu bieten, nämlich die verwinkelte, aber sehr lebendige Altstadt, die Einkaufsstraßen und nicht zuletzt das orientalisch inspirierte Schloß von George dem IV.

Weiter nach Dover geht es von Brighton über die A27, die von einer vierspurigen Schnellstraße zur Küstenstraße durch die Dörfer mutiert. Was am Ende heißt, dass es über zwei Stunden bis Dover braucht. Gegen 21:40h Ankunft in Dover im Churchill Guest House, dem zweiten Haus des Besitzers, bei dem ich schon seit langem gerne übernachte (Zimmer war Spencer). Das Churchill ist ebenso englisch wie das Cleveland, aber in weit besserem Zustand, gemütlich und inklusive englischem Frühstück und Unterhaltung durch unseren Landlord beim Frühstück in der Bibliothek. Das Cleveland wird gerade renoviert, aber das Churchill ist bisher eindeutig netter, wohnlicher und in besserem Zustand. Kann mit dem neuen Cleveland dann anders aussehen.

Nachdem die Nachbarn im Hof irgendwann ihre BBQ-Party beendet haben, fällt das Einschlafen in der Affenhitze nicht leicht.

Sonntag, 23. Juli 2006: Antwerpen – Paderborn

Freie Fahrt von Calais bis Paderborn, Freude über die Klimaanlage im Auto. Bei Calais und 21°C am Morgen angekommen, werden es bis zum Nachmittag im Ruhrgebiet über 30°. Übrigens ist die Autobahn rund um Antwerpen nun an den kritischen Stellen erheblich umgebaut worden. Das nächte Mal versuchen wir es wieder zur Rushhour.

Fazit

Wie war nun Gower zum zweiten Male? Alles schon beim ersten Besuch gesehen? Eigentlich langweilig? Nee, kann man nicht sagen.

Erstens waren doch doch noch eine ganze Latte neuer Fleckchen zu finden, auch noch neue Wege waren zu gehen, oder einmal schon gegangene Wege mit anderem Blick sehen. Die Ruhe und der Frieden auf Gower können gar nicht langweilig werden. Und die Touren nach St. David und in die Black Mountains haben Abwechselung hineingebracht. Es ist und bleibt ein wunderschönes Fleckchen Erde, und auch Mulberry Hill war wieder ein idealer Ort für Ruhe und Erholung.

Veränderungen auf Gower in diesem Jahr? Erhebliche! Zum Beispiel das Schild am Parkplatz in Cwm Ivy!

Unicode

2005 2006

Neu ist eine kleine Ferienhausanlage (Gower Farm Cottages) zwischen Burry und Scurlage, die im letzten Jahr noch im Bau war. Ein paar kleine Ferienhäuser in Naturstein. Sah sehr nett aus. Der General Store in Scurlage ist sogar fast zu Fuß erreichbar.

In Swansea wird heftigst gebaut. Aber nicht ‚modernisiert‘, sondern es sollen die traditionellen Strukturen wiederhergestellt werden. Nach den massiven Bombardierungen im 2. Weltkrieg war ein teils hässliches Konglomerat aus alt und neu entstanden, neu = Beton, schnell hochgezogen etc. Nun will Swansea wieder zurück zu den herkömmlichen städtischen Bebauungen. Das ist schön so.

Nicht verändert hat sich die Parksituation auf Gower. Man muss immer noch sehen, wo man sein Auto lässt, und ansonsten üppige Parkgebühren von 2£ für zwei Stunden, 3.30£ für ein Tagesticket berappen. Da ist Pembrokeshire gnädiger. Also auf Gower auch mal auf den Bus ausweichen, Fahrpläne liegen zum Teil auch in den Gemeindeverwaltungen wie in Llanrhidian aus. Ansonsten hat sich wenig verändert, was aber auch gut so ist.

Was in 2006 anders war, war das Wetter. Es gab einige Tage, die so heiß waren, dass man Wandern schlichtweg vergessen konnte. Auch fehlte durch die Hitze ein Teil der farbenfrohen Vegetation, die einige Strecken so interessant machte, Beispiel Bereich Pitton/Port Eynon/Oxwich: vergleicht man Bilder aus 2005 und 2006, so fehlen viele der bunten Flächen von Blumen und Pflanzen. Eben durch die Trockenheit und Hitze. Andererseits war richtiges Wetter für mehrere Tage am Strand, man konnte baden, die Sonne genießen; das war so in 2005 höchstens an einem Tag möglich. In 2006 hätte man bald eine Woche so am Strand herumlümmeln und auch ohne Ende baden können. Hat man sich erst einmal an das für Mitteleuropäer etwas kalte Wasser gewöhnt, ist das Baden hier super. Da kann man jedes Freibad vergessen, das fand sogar ich toll.

Was noch anders war: wegen der Hitze war auf Gower erheblich mehr Betrieb auf den Straßen als in 2005, am Wochenende natürlich besonders. Aber gestört oder genervt hat es nicht, waren halt wenigstens mal ein paar Leute mehr am Strand, noch immer konnte man sich überall (außer wohl in Caswell oder Langland) seinen Platz aussuchen. Ansonsten verlief sich das eben. So richtig los geht es aber eh erst am nächsten Wochenende, wie ich gehört habe, war der große Campingplatz von Northhill Farm ausgebucht. Aber da waren wir sowieso auf dem Rückweg nach Dover.

Verpasst habe ich leider das Gower Guitar Festival, fing genau an dem Samstag an, an dem wir abfuhren.

Nein, es war wieder schön hier, und mit ein paar Jahren Abstand würde ich sogar gerne noch mal hierher fahren. Allerdings nicht mehr bei dieser Wetterlage, denn es war selbst für Wales teilweise heftig warm. Der große Vorteil auf Gower war dann der, dass es abends schnell abkühlte und man problemlos schlafen konnte. Auch wegen der vielen großen, alten Bäume rund um Mulberry Hill herum.

Dank gehört an dieser Stelle dem NT und den lokalen Organisationen, die es geschafft haben Gower von den modernen touristischen Entwicklungen anderer Gegenden fernzuhalten. Und diese Vielfalt an Strand und Felsen, Farmland und Wäldchen, Fauna und Flora muss weiter geschützt werden. Und wieder ein großes Lob für Sian und Peter, die wohl einen der entzückendsten Flecken Erde auf der Welt ihr Eigen nennen.

Hier noch mal alle Bilder als Übersicht.

Literatur

(1) Dumont direkt: Flandern, Antwerpen, Brugge, Gent

Wie üblich aus diesem Verlag ein ausführlicher, detallierter und hilfreicher Reiseführer, 7.95€. Was nicht mehr stimmt: die Museen sind freitags nicht mehr kostenlos, sondern nur noch am letzten Donnerstag im Monat. Hat uns schon in De Haan sehr geholfen.

(2) Stad Antwerpen: Rondwandeling 1 & 2

Erhältlich in der Touist Information am Rathaus am Grote Markt zu 0.50€, in vielen Sprachen. Ein guter Einstieg zu Antwerpen mit vielen Details, zwei Touren zu je ca. 2 Stunden netto.

Neben den Büchern aus dem ersten Bericht zu Gower nun zusätzlich:

(3) Nick Jenkins: Circular Walks in Gower

Erschienen im Verlag Gwask Carreg Gwalch, The Walking Pages, 4.50£. 14 Rundwege in Gower von einfach bis anspruchsvoll, in Englisch. Zu bestellen über http://www.walkingpages.co.uk. Wenn man noch nichts zur Hand hat, ist das Buch schon empfehlenswert. Das Buch von Dr. Avery aus Wales 2005 ist definitiv besser, detaillierter. Aber auch schwieriger zu bekommen.

(4) Tom Hutton: Circular Walks in the Brecon Beacons National Park

Gleicher Verlag, Preis und Vertrieb wie oben. 12 Touren im National Park und in den Black Mountains. Inzwischen vorort in allen TIs und Buchhandlungen, in Deutschland per Internet-Shop wie zuvor. Das Buch haben wir nicht benutzt.

(5) Rough Guides Ltd.: The Rough Guide to Wales (in Engl.)

Ist man nicht nur in einem kleinen Gebiet unterwegs, sondern wie wir in diesem Jahr auch etwas weiträumiger, ist der Rough Guide highly recommended. Eine sehr umfassende Informationsquelle über Städte und Orte, Personen und Historie als auch Gaststätten und Hotels. Und das für ganz Wales. Aber auch als generelle Einführung zu Wales sehr empfehlenswert. Was z.B. über Gower drin steht, können wir zum überwiegenden Teil bestätigen. Zu bekommen in großen Buchhandlungen und auch über Amazon.