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July 2026: Last steps and next steps
Es mag etwas sehr früh erscheinen für Urlaubsplanungen, die das nächste Jahr betreffen. Doch ist es so, dass mir eine Vermieterin in den Yorkshire Dales erzählte, sie hätte jetzt schon Buchungen für ihr Cottage in 2027. Diese Tendenz der letzten Jahre, dass immer früher gebucht wird, kann ich nur bestätigen. Als ich mir Cottages ansah und feststellte, dass in den Kalendern schon reichlich Buchungen drin standen. Gerade auch für „meine“ Zeit, vor der Hauptferienzeit, aber schon in sommerlichen Gefilden. Deshalb nun schon jetzt, auch wenn es einigen Anlauf brauchte.
Doch es gibt Veränderungen. wenn auch wenige. Das Studio ist gegenüber 2024 um fast 200 £ teurer, doch es ist wohl noch weiter renoviert worden. Außen keine sichtbaren Updates. Und immer noch der tolle Toaster, den hätte ich auch vermisst. Also keine größeren Umstellungen für uns. Doch warum schon wieder in das selbe Studio an diesem Ort? Das hat etwas mit mir zu tun. Genauer gesagt, Veränderungen auf meiner Seite.
Lessons learned: Growing old is not for the faint-hearted
Die zwei Wochen im Juni 2026 in den Yorkshire Dales waren wieder eine herrliche Zeit. Das Wetter akzeptabel bis gut, eine beeindruckende Gegend, neue Touren und vertraute Orte. Doch hat mir diese Zeit klar gemacht, dass die Uhr tickt, Erkrankungen und Unfälle in 2025 und 2026 haben ihre nicht zu leugnenden Handycaps hinterlassen. Touren über 18 Kilometer und 400 Höhenmeter wie früher bewältige ich nicht mehr. Mit diesen Tatsachen im Hintergrund stellte sich die Frage nach Englandurlaub in 2027 anders als zuvor. Erste Gedanken gingen in Richtung North Yorkshire Coast, mit Klassikern wie Robin Hood’s Bay und Scarborough. Äußere Veränderungen hinterlassen ihre Spuren genauso in der Seele. Nach langem hin und her, Suche nach Cottages in welchen Orten und wann, blitzte an einem Morgen beim Einkaufen plötzlich ein Gedanke auf: Dann nicht besser in die vertrauten Gegenden, wenn nicht sogar zurück zu den vertrauten Orten, die bei einem täglichen Low die kleine Runde erlauben? Wo man nichts suchen muss und zu nichts gezwungen wird. Keine Stunde später stand alles fest: The Lake District, Grasmere, Townend, Easedale Studio. Schon wieder? Das Alter ist nicht etwas, was einen plötzlich überfällt, sondern was sich ins Leben einschleicht. Wenn man es merkt, ist es zu spät. Aber nie zu spät, um es zuzugeben.
Zur Gegend, zum Ort und zu weiteren Details siehe The Lake District 2024 sowie The Lake District 2022.
Zu meinem großen Bedauern habe ich feststellen müssen, dass Green’s Café geschlossen hat. Nicht wegen mangelnder Beliebtheit, sondern weil die Inhaber nach 18 Jahren Betrieb in den Ruhestand gehen. Green’s war für mich seit 2011 so etwas wie eine Institution in Grasmere, weil sie eine große Auswahl an Kuchen und Essen hatten, nicht nur vegetarisch, sondern sogar vegan. Gegenüber 2011 hat sich die Zahl der Cafés in Grasmere deutlich erhöht, ich würde aber immer noch die paar Meter weiter zum Faeryland gehen, weil es nett und ruhig gelegen ist. Karen und ihrem Mann wünsche ich trotzdem einen schönen Ruhestand. Ich werde Euch vermissen.
Days of future passed
Lessons learned: Grasmere in detail
Grasmere hat eine lange Siedlungsgeschichte, wurde aber vor allem durch seine Lage im Herzen des Lake District und durch William Wordsworth berühmt. Der Ort entwickelte sich von einer ländlich-agrar geprägten Gemeinde zu einem der bekanntesten Touristenorte der Region. Der Ortsname ist nordischen Ursprungs und bedeutet sinngemäß „Grassmeer“ oder „Grassee“, was auf die frühe skandinavische Prägung der Gegend verweist. In der Region gibt es Hinweise auf sehr frühe Besiedlung, teils bis in die Jungsteinzeit, später auch auf keltische und römische Einflüsse. Im Mittelalter war Grasmere vor allem eine landwirtschaftliche Gemeinde, besonders mit Schafhaltung und kleinbäuerlicher Nutzung der umliegenden Hänge. Ein zentraler Bezugspunkt ist St Oswald’s Church, deren heutige Bausubstanz bis ins 13. oder 14. Jahrhundert zurückreicht, zugleich existiert die Überlieferung einer noch älteren Gründung im 7. Jahrhundert. Über Jahrhunderte blieb der Ort klein und ländlich, mit nur wenigen Gebäuden außerhalb von Farmen und der Kirche. Der verzweigte Dorfkern ist bis heute stark von dieser kirchlich-ländlichen Struktur geprägt, was ihn von Straßendörfern wie Windermere und Bowness unterscheidet.
Die entscheidende Wende kam Ende des 18. Jahrhunderts, als William Wordsworth 1799 ins Dove Cottage zog und dort bis 1808 lebte. Er machte Grasmere literarisch berühmt. Seine Gedichte über den Lake District zogen zunehmend Besucher an, er war einer der sogenannten Lake Poets. Dadurch wurde Grasmere zu einem wichtigen Ort der romantischen Literatur und später zu einem Pilgerziel für Literaturinteressierte. So bleibt Grasmere bis heute ein Schlüsselort für das Verständnis der englischen Romantik. Im 19. Jahrhundert wuchs der Ort deutlich, auch weil der Besucherstrom durch Wordsworths Ruhm zunahm und viele der heute sichtbaren Gebäude in dieser Zeit entstanden. Auch die erste Bahnverbindung spielte eine Rolle. Später kamen weitere Attraktionen hinzu, etwa das Wordsworth Museum und das berühmte Grasmere Gingerbread, das auf ein Rezept von 1854 zurückgeht. Seit dem 20. Jahrhundert ist Grasmere stark vom Tourismus geprägt, während die Einwohnerzahl seit den 1960ern eher zurückging. Trotzdem sind Häuser dort kaum bezahlbar. Heute gilt Grasmere als eines der bekanntesten Dörfer im Lake District, mit St Oswald’s, Dove Cottage, Wordsworth-Museum und der landschaftlich markanten Umgebung als wichtigste Anziehungspunkte. Auch traditionelle Veranstaltungen wie die Grasmere Sports tragen zum Ruf bei. Der Ort verbindet damit bis heute ländliche Geschichte, Literaturgeschichte und Tourismus.
Grasmere ist für mich der angenehmste Ort im Lakeland, eben wegen der dörflichen Struktur, die Keswick ähnelt, nur eben viel kleiner. Es ist die volle Breitseite an Gastronomie vorhanden, vom sonntäglichen Sunday Roast bis zum Welsh Rarebit oder Sandwich. Die besten Cafés sind in Grasmere, eine richtige Artisan Bakery gibt es in der Nähe in Ambleside. Das Easedale Studio, gleich um die Ecke vom Museum, liegt abseits aller größeren Straßen in einer Sackgasse. Das Museum hat auch ein durchaus akzeptables Café mit leckerem Kuchen und Little Lunch. Der Blick aus dem Fenster beim Frühstück auf Silver How und den Grasmere ist grandios. Ab Haustür geht es auf den Coffin Trail nach Ambleside, oder hinauf zum von Duna hochgeschätzten Alcock Tarn, durch Grasmere hindurch geht es zum Easedale Tarn. Oder man streift über die vielen Wege rund um Rydal Water. Zum Einkaufen, Trödeln oder ausgiebigerem Essen fahre ich gerne die halbe Stunde nach Keswick mit einem Booth-Supermarkt und sehr vielen Geschäften. Um Windermere mache ich eher einen Bogen, um Bowness erst recht. Beide sind extrem touristisch, Grasmere auch, aber es ist nicht ganz so bekannt. Wenn ich doch ab und zu nach Windermere fahre, dann zum dortigen Booth, weil der öffentliche Parkplatz des Booth in Keswick am Wochenende oft heillos überfüllt ist, während er in Windermere einen privaten Parkplatz hat.











