Better late than never
Eigentlich steckten uns, im positiven Sinne, noch die Yorkshire Dales in den Knochen. Oder besser im Gemüt. Es dauert immer etwas, bis ich aus England wieder hier zuhause ankomme. Dann flatterte der wöchentliche Newsletter von Holiday Cottages ins E-Mail-Postfach, mit Sonderangeboten. Tatsächlich schließen im Frühherbst die Vermieter der Cottages letzte Lücken in den Belegungsplänen, mit deutlichen Nachlässen. Ein eher neugieriger Blick in die Fahrpläne und Preislisten bei DFDS zeigt auch dort deutliche Nachlässe, die Verbindung Amsterdam-Newcastle, genauer Ijmuiden-North Shields, ist im September 300 Euro billiger als im Hochsommer. Nach den schönen zwei Wochen in den Yorkshire Dales im Juni keimte so ein flüchtiger Gedanke auf. Warum bei diesen möglichen Ersparnissen nicht noch einen kurzen Trip einlegen? Schließlich hatte ich im Sommer einen Austausch mit Paul Beal über North Yorkshire und dortige Wandermöglichkeiten. Was es dann als Ziel für 2027 nicht wurde, sondern die Rückkehr ins vertraute Grasmere. Warum und wieso in diesem Beitrag. Lange Rede, ich entschloss mich für eine Rückkehr auf die Insel noch in diesem Jahr. Eher aus emotionalen Gründen als aus Vernunft. Das passiert mir um so öfter, je älter ich werde.
Ausnahmsweise dann in diesem Jahr zwei Mal Urlaub in England, der zweite nur eine Woche ab Mitte September nach Sandsend in der Nähe von Whitby, weil freie Cottages für zwei Wochen im September und freie Fährplätze nicht zusammen zu bekommen waren. Und es wird zu dieser Zeit schon recht früh dunkel dort oben. Das Cottage sah nett aus, knapp drei Meilen außerhalb der größeren Stadt Whitby, aber nicht weit (= zwei Meilen) zum Strand von Sandsend und schon im National Park. Dann noch fix nach Quellen für Hundefutter in der Gegend dort suchen. Schließlich haben wir gerade die letzte Schale Forthglade verbraucht. Als größerer Ort verfügt Whitby über einen Sainsbury, einen Morrisson, ALDI und LIDL, und sogar einen Tierladen mit Forthglade gleich um die Ecke. Dazu mehrere Handwerks-Bäckereien. Einzige Hürde war, die nur noch wenigen hundekompatiblen Fährplätze mit den verfügbaren Möglichkeiten in den Cottages zusammen zu bringen. Was klappte, der Vermieter des The Barn war auch mit einer Anmietung von Wochenmitte zu Wochenmitte einverstanden. Alles war schnell in trockenen Tüchern und die Rückkehr nach Yorkshire kommt schneller als erwartet. Kleiner Exkurs dazu. Es gibt einen Song der Band Jethro Tull vom A-Album. Fylingdale Flyer. Tatsächlich ist Fylingdale dort oben im North York Moors, da liegt auch die RAF-Station. Nun verstehe ich endlich den Songtext.
July 2026: Kurzentschlossen
Lessons learned: The North York Moors
Der National-Park North York Moors gehört zu den ältesten Nationalparks Großbritanniens und umfasst rund 1.430 km², wovon etwa 40% aus Heide‑ und Moorflächen bestehen. Zwischen den Hochflächen liegen grüne Täler mit Bächen, Wäldern und verstreuten Farmen und Dörfern, die eine sehr traditionelle, eben englische Anmutung haben. Die Küste bietet breite Sandstrände, felsige Buchten und alte Hafenanlagen mit den dazu passenden Örtchen. Whitby ist besonders bekannt, zum einen als Schauplatz von „Bram Stoker’s Dracula“, zum anderen als Ausbildungsort des Seefahrers James Cook. Die North York Moors sind ein ausgesprochenes Wanderparadies mit über 2.200 km markierten Wegen, von kurzen Spaziergängen durch die Heide bis zu mehrtägigen Touren wie dem rund 170 km langen Cleveland Way, der halbkreisförmig durch den Park und über die Küste führt. Trotz seiner Ursprünglichkeit ist der Park touristisch gut erschlossen, setzt aber stark auf kleine, oft ehemalige Bauernhöfe als Unterkünfte und auf naturnahe Aktivitäten wie Wandern, Radfahren und Naturführungen. Wegen der sehr geringen Lichtverschmutzung wurde der Park 2020 als „International Dark Sky Reserve“ anerkannt, er gilt als einer der besten Orte Europas, um den Sternenhimmel zu beobachten. Die North York Moors verkörpern eine der ursprünglichsten Landschaften Englands. Ihre Weite, Stille und die enge Verbindung von Natur und Geschichte machen sie zu einem interessantem Ziel, sei es für Wanderer, Naturliebhaber oder Kulturinteressierte. Wie in Nordengland üblich, immer dog-friendly. Im Vergleich zu grüneren, sanfteren Gegenden wie dem Lake District oder den South Downs, zeichnen sich die North York Moors durch ihren rauen, fast mystischen Charakter aus. Die Mythen finden sich dann in den Orten, wie in Whitby oder Scarborough.
Nicht umsonst ist Whitby eine viel besuchte Stadt in der Gegend, zusammen mit Scarborough. Auch weil Whitby sich von vielen Orten entlang der Küste unterscheidet. Was im Video verständlich wird.
Black and white and digital
An Büchern habe ich nur eines genutzt. Den unverzichtbaren Pathfinder Guide von Ordnance Survey von einem Händler für gebrauchte Bücher, der über eBay anbietet (man kann seit dem Brexit immer noch nicht bei OS direkt bestellen). Der Pathfinder Guide listet 28 ausgesuchte Runden, sortiert nach einfach bis anspruchsvoll, mit dem jeweils passenden Ausschnitt aus einer OS-Karte, mit GPS-Wegpunkten und einer detaillierten Beschreibung. Eben wie es sein soll. Aber als Ideengeber können viele Tourenvorschläge im Netz dienen. Andere Touren habe ich mir aus diversen Quellen, wie von Paul Beal, in Komoot übertragen und bearbeitet. Wer gerne Runden über zehn und mehr Kilometer macht, ist bei Paul bestens aufgehoben. Sucht man im Netz nach „north york moors walks“ wird man ausreichend fündig. Wie bei Where2Walk mit einer Sammlung von Touren an der Küste, als auch eine kuratierte Sammlung an Cottages.
![]() |
![]() |
Der Nationalpark für die North York Moors bietet ebenso wie der der Yorkshire Dales eine App an, in denen sich aber nur wenige Tourenvorschläge für Wanderer finden, um so mehr für Radfahrer. Auf eine OS-Karte habe ich dieses Mal verzichtet.








