Better late than never
Eigentlich steckten uns, im positiven Sinne, noch die Yorkshire Dales in den Knochen. Oder besser im Gemüt. Es dauert immer etwas, bis ich aus England wieder hier zuhause ankomme. Dann flatterte der wöchentliche Newsletter von Holiday Cottages ins E-Mail-Postfach, mit Sonderangeboten. Tatsächlich schließen im Frühherbst die Vermieter der Cottages letzte Lücken in den Belegungsplänen, mit deutlichen Nachlässen. Ein eher neugieriger Blick in die Fahrpläne und Preislisten bei DFDS zeigt auch dort deutliche Nachlässe, die Verbindung Amsterdam-Newcastle, genauer Ijmuiden-North Shields, ist im September 300 Euro billiger als im Hochsommer. Nach den schönen zwei Wochen in den Yorkshire Dales im Juni keimte so ein flüchtiger Gedanke auf. Warum bei diesen möglichen Ersparnissen nicht noch einen kurzen Trip einlegen? Schließlich hatte ich im Sommer einen Austausch mit Paul Beal über North Yorkshire und dortige Wandermöglichkeiten. Was es dann als Ziel für 2027 nicht wurde, sondern die Rückkehr ins vertraute Grasmere. Warum und wieso in diesem Beitrag. Lange Rede, ich entschloss mich für eine Rückkehr auf die Insel noch in diesem Jahr. Eher aus emotionalen Gründen als aus Vernunft. Das passiert mir um so öfter, je älter ich werde.
Ausnahmsweise dann in diesem Jahr zwei Mal Urlaub in England, der zweite nur eine Woche ab Mitte September nach Newholm in der Nähe von Whitby, weil freie Cottages für zwei Wochen im September und freie Fährplätze nicht zusammen zu bekommen waren. Und es wird zu dieser Zeit schon recht früh dunkel dort oben. Das Cottage sah nett aus, knapp drei Meilen außerhalb der größeren Stadt Whitby, aber nicht weit (= gut zwei Meilen) zum Strand von Sandsend und schon im National Park. Dann noch fix nach Quellen für Hundefutter in der Gegend dort suchen. Schließlich haben wir gerade die letzte Schale Forthglade verbraucht. Als größerer Ort verfügt Whitby über einen Sainsbury’s, einen kleinen Morrisons Daily ohne Parkplatz, einen ALDI und einen LIDL, und sogar einen Tierladen mit Forthglade gleich um die Ecke. Dazu mehrere Handwerks-Bäckereien. Einzige Hürde war, die nur noch wenigen hundekompatiblen Fährplätze mit den verfügbaren Möglichkeiten in den Cottages zusammen zu bringen. Was klappte, der Vermieter des The Barn war auch mit einer Anmietung von Wochenmitte zu Wochenmitte einverstanden. Alles war schnell in trockenen Tüchern und die Rückkehr nach Yorkshire kommt schneller als erwartet. Kleiner Exkurs dazu. Es gibt einen Song der Band Jethro Tull vom A-Album. Fylingdale Flyer. Tatsächlich ist Fylingdale dort oben im North York Moors, da liegt auch die RAF-Station. Nun verstehe ich endlich den Songtext.
Wer nicht den ganzen Kram lesen will, findet am Ende eine Zusammenfassung.
Ich verlinke mal zu den englischen, mal zu deutschen Wikipedia-Seiten, die deutschen sind oft nur sehr kurz.
July 2026: Fast and furious
Lessons learned: The North York Moors
Der National-Park North York Moors gehört zu den ältesten Nationalparks Großbritanniens und umfasst rund 1.430 km², wovon etwa 40% aus Heide‑ und Moorflächen bestehen. Zwischen den Hochflächen liegen grüne Täler mit Bächen, Wäldern und verstreuten Farmen und Dörfern, die eine sehr traditionelle, eben englische Anmutung haben. Die Küste bietet breite Sandstrände, felsige Buchten und alte Hafenanlagen mit den dazu passenden Örtchen. Whitby ist besonders bekannt, zum einen als Schauplatz von „Bram Stoker’s Dracula“, zum anderen als Ausbildungsort des Seefahrers James Cook. Die North York Moors sind ein ausgesprochenes Wanderparadies mit über 2.200 km markierten Wegen, von kurzen Spaziergängen durch die Heide bis zu mehrtägigen Touren wie dem rund 170 km langen Cleveland Way, der halbkreisförmig durch den Park und über die Küste führt. Trotz seiner Ursprünglichkeit ist der Park touristisch gut erschlossen, setzt aber stark auf kleine, oft ehemalige Bauernhöfe als Unterkünfte und auf naturnahe Aktivitäten wie Wandern, Radfahren und Naturführungen. Wegen der sehr geringen Lichtverschmutzung wurde der Park 2020 als „International Dark Sky Reserve“ anerkannt, er gilt als einer der besten Orte Europas, um den Sternenhimmel zu beobachten. Die North York Moors verkörpern eine der ursprünglichsten Landschaften Englands. Ihre Weite, Stille und die enge Verbindung von Natur und Geschichte machen sie zu einem interessantem Ziel, sei es für Wanderer, Naturliebhaber oder Kulturinteressierte. Wie in Nordengland üblich, immer dog-friendly. Im Vergleich zu grüneren, sanfteren Gegenden wie dem Lake District oder den South Downs, zeichnen sich die North York Moors durch ihren rauen, fast mystischen Charakter aus. Die Mythen finden sich dann in den Orten, wie in Whitby oder Scarborough.
Kleine Reise durch den englischen Norden gefällig?
Viele der Orte und sogar Wege im Video kennen wir nun selbst. Whitby, Scarborough, Durham, Newcastle und sogar das kleine Grosmont (ja, wir waren auch in den Lokschuppen). Und den Weg ins Hole Of Horcum sind herauf gegangen, nicht herunter. Auch zu sehen in der WDR Mediathek, verfügbar bis Juli 2029.
Black and white and digital
An Büchern habe ich nur eines genutzt. Den unverzichtbaren Pathfinder Guide von Ordnance Survey von einem Händler für gebrauchte Bücher, der über eBay anbietet (man kann seit dem Brexit immer noch nicht bei OS direkt bestellen). Der Pathfinder Guide listet 28 ausgesuchte Runden, sortiert nach einfach bis anspruchsvoll, mit dem jeweils passenden Ausschnitt aus einer OS-Karte, mit GPS-Wegpunkten und einer detaillierten Beschreibung. Eben wie es sein soll. Aber als Ideengeber können viele Tourenvorschläge im Netz dienen. Andere Touren habe ich mir aus diversen Quellen, wie von Paul Beal, in Komoot übertragen und bearbeitet. Wer gerne Runden über zehn und mehr Kilometer macht, ist bei Paul bestens aufgehoben. Sucht man im Netz nach „north york moors walks“ wird man ausreichend fündig. Wie bei Where2Walk mit einer Sammlung von Touren an der Küste, als auch eine kuratierte Sammlung an Cottages.
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Der Nationalpark für die North York Moors bietet ebenso wie der der Yorkshire Dales eine App an, in denen sich aber nur wenige Tourenvorschläge für Wanderer finden, um so mehr für Radfahrer. Auf eine OS-Karte habe ich dieses Mal verzichtet.
The journey
16. September 2026: Let’s go
So spät im Jahr war ich noch nie in England. Jedenfalls nicht auf Urlaub, Bracknell, meine Arbeitsstätte in den Neunzigern, liegt einige hundert Kilometer südlicher. Somit wird dieses Mal nicht nur das Wetter kühler sein, auch die Sonnenzeiten liegen anders. Nordengland gilt wie Schottland ja eher als Regengebiet. Aktuell geht der Tag in Yorkshire von 06:35 bis 19:23, in Paderborn ist es 06:57 bis 19:42, also sind die Tage da oben etwas kürzer. Aber ich habe ja meine Taschenlampe dabei. Der Wetterbericht zeigt aktuell Regen an, bei Temperaturen um die 20 Grad und leicht darüber, ab Freitag soll es dann trockener werden, mit dem nächsten Wochenende sogar freundlicher. Es gibt also Hoffnungen auf ausreichend Gelegenheiten für unsere Touren. Anfahrt wieder auf der gewohnten Strecke über Bielefeld, Osnabrück und Amersfoort nach Amsterdam. Same procedure as every year. Sometimes even twice.
Wir kommen mehr als pünktlich zuhause los, keine Staus, nicht mal vor Baustellen. Überhaupt wenige Baustellen. Also sind wir schon früher als erwartet in Velsen Zuid und machen unsere Runde durch den Park vor der Fähre. Wir sind auch eher früh zum Einchecken im Hafen. Beim Durchsehen der Pässe stutzt die Dame im Häuschen, sie weist mich darauf hin, dass die Bandwurm-Prophylaxe bei Duna länger als die zulässigen fünf Tage her ist. Die Tierärztin hat statt des tatsächlichen Datums, das war der 14. September, den 10. September in den Impfpass eingetragen.* Deshalb sei die Fünftage-Pflicht vor der Einreise nicht mehr erfüllt und sie könne uns nicht auf die Fähre lassen. Zwar erkläre ich ihr, dass das ein Fehler der Tierärztin war, habe noch die Terminbestätigung als E-Mail, aber sie bleibt standhaft. Ich könne aber versuchen, dass die Praxis mir eine E-Mail schickt, in dem der tatsächliche Termin bestätigt wird. Zum Glück erreiche ich trotz Mittwoch die Praxis, es könne aber einen Moment dauern, dieses Schreiben müsse eine Ärztin schicken, und die sei gerade in einer Behandlung. Zwischendurch pendeln wir noch mehrfach zwischen Check-In und Haupthaus von DFDS hin und her, weil nicht klar ist, wer was genehmigen kann. Dann kommt noch gerade rechtzeitig die E-Mail aus Salzkotten und wir reihen uns wieder am Check-In ein, und dürfen jetzt aufs Schiff. Man kann ahnen, wie mir mehrmals der kalte Schweiß ausgebrochen ist, erst, als der Impf-Termin im Impfpass falsch war, und dann beim Warten auf die E-Mail, so langsam näherte sich das Ende der Zeit für den Check-In. Am Ende haute es doch hin, wir kommen noch gerade rechtzeitig und fahren in die Fähre. Danke an die sehr freundliche und hilfsbereite Dame von DFDS.
*) Nein, es war noch anders. Auf der Seite mit den Bandwurmbehandlungen
stand der 10. Juni 2026 als letztes Datum. Die Tierärztin hatte die
Behandlung im September auf der falschen Seite eingetragen, die mit
allgemeinen Wurmkuren. Der Eintrag war also korrekt da, nur leider auf
der falschen Seite. Kam ich in meinem Stress aber nicht drauf,
einige Seiten weiter zu blättern.
17. September 2026: Back on the small island
Die Überfahrt wird dieses Mal erst etwas unruhiger, es weht reichlich, das Schiff geht ordentlich, aber nicht wirklich übel. Dann noch etwas, was anders läuft als sonst. Die Fähre ist schon um 9:10 lokaler Zeit im Hafen und die Rampen fahren herunter, nur 10 Minuten später sind wir vom Schiff, nur zwei Autos sind an der Grenzkontrolle vor uns. 15 Minuten nach Anlegen sind wir im Redburn Dene Park. Da Duna morgens schon den Darm randvoll hatte und deshalb ein Häufchen auf dem Außendeck hingelegt hat, reicht eine kleine Runde zum Pfützchen-Machen. Weiter zum Zwischenstopp in Saltburn-by-the-sea, etwa eine Stunde ab Newcastle. Die ausgesuchte Tour in Saltburn aus Komoot ist mal wieder nicht der Bringer. Erst geht es lange Zeit nur durch nichtssagende Straßen im Ort, erst später kommt man in die Valley Gardens. Ab da wird es dann doch interessanter.
Saltburn ist so irgendwie mitteltouristisch. Das Leben spielt sich fast nur am Strand und am Pier ab, dort sind auch die meisten Cafés und Bistros zu finden. Buden mit Fish & Chips dominieren eindeutig. Da das Wetter zwar trocken und sonnig ist, aber auch windig und kühl, möchte ich mit dem Hundi ungern draußen sitzen. Im Übrigen sind die Außenplätze der Gaststätten fast komplett belegt. Ist doch ein Tisch frei, lagert am Nebentisch einen Riesenhund. Wir gehen die Tour weiter bis fast zum Ende und kommen wieder am Parkplatz des Sainsbury’s an, wo wir gestartet waren. Der liegt direkt neben dem Bahnhof. In dieser Straße gibt es einige Tearooms, erst später sehe ich noch weitere ansprechende Bistros im und am Bahnhof gegenüber. Wie immer. Wir bleiben deshalb in einem kleinen Tearoom, mit einer Fritata und einem Cappuccino.
Zurück zum Auto, inzwischen ist es schon lange Mittag und wir wollen ja noch nach Whitby zum Einkaufen. Erster Halt vor Whitby beim Millbry Pet Shop. Liegt in einem kleinen Industriegebiet vor Newholm. Sie haben tatsächlich ausreichend Forthglade vorrätig, auch die Soft Bites. Trockenfutter nehmen wir von ihrer Eigenmarke, die Zutatenliste sieht gut aus. Dazu gibt es noch eine neue Mütze fürs Herrchen für den nächsten Winter. Der Laden stattet nämlich auch Reiter und Jäger aus, so findet sich eine schöne warme Mütze, außen Wolle. Nicht ganz billig, aber schließlich eine Anschaffung für Jahre. Von da oben herab schaut man auf Whitby herunter, Whitby ist definitiv keine Kleinstadt. Wir fahren aber nicht nach Whitby in die Innenstadt hinein, sondern ein Stück weiter Richtung Scarborough. Dort gibt es einen größeren Sainsbury’s. Positiv ist, dass er meinen Kingsmill 50/50 hat, ansonsten habe ich mit dem Sortiment bei Sainsbury’s schon länger meine Probleme. Keine Tiptree-Marmelade, keinen French’s-Senf, nur das Angebot an Eiern ist überbordend. Immerhin bekomme ich alles Wichtige für den Anfang, zu ALDI fahren wir dann später. Inzwischen ist fast drei Uhr, dann haben wir noch ein Stündchen Zeit für einen ersten Besuch in Whitby. Nicht in jedem Detail, dafür bräuchte man etwas länger, sondern für einen ersten Überblick. Und weil heute noch ein Nachtisch fehlt.
Die Parkplatzsituation ist nicht ganz so schlimm, wie es in Beschreibungen heißt. Wir finden jede Menge kostenlose Parkplätze in einer kleinen Straße am Rande der Innenstadt, allerdings ist die Parkzeit mit Scheibe auf eine Stunde begrenzt. Obwohl die Hauptreisezeit, also Juli und August, schon zu Ende ist, ist es in Whitby trotzdem brechend voll. Vor allen Dingen in der Altstadt ist es ein einziges Geschiebe. Da das Verhältnis Menschen-zu-Hunde bei etwa 1:1 liegt, ist es etwas anstrengend. Zwar geht Duna an den meisten Hunden ruhig vorbei, dazwischen sind aber immer wieder Plüschratten, denen Duna mal unbedingt eins mitgeben muss. Auch ein traurig dreinschauender Whippet bekommt erst mal einen Spruch ab. Wir verziehen uns aus der Altstadt, am Hafen ist ein kornisches Café mit Scones und Pasties, Hunde sind willkommen und ich genehmige mir nach der kleinen Fritata am Mittag noch einen Fruit Scone. Der wirklich wie in Cornwall ist. Auch der Kaffee ist lecker.
An Cafés und Pubs ist Whitby nun wirklich nicht arm. Allerdings in der Altstadt mit gepfefferten Preisen. Die vielen Souvenirläden haben ihren Grund, denn Whitby ist ein touristisches Highlight der Gegend. Neben Robin Hood’s Bay. Man merkt ebenso schnell, dass Whitby keine Kleinstadt ist. Im Gegensatz zu Saltburn ist der Hafen nicht allein touristisches Zentrum, hier ist es eher die Altstadt. Die Gassen dort sind eng und verwinkelt, demnach nicht für solche Ströme an Touristen vorgesehen. Um Whitby machen wir dann eher einen Bogen, es sei denn, man will in einen Supermarkt oder zum ALDI oder LIDL. Weiter dann nach Newholm und unser Cottage in Beschlag nehmen. Zwar hat es in Whitby mal ganz kurz genieselt, ansonsten ist es trocken geblieben. Die Sonne war fast immer zu sehen, nur wenige Wolken, Temperatur lag so bei 18 Grad. Aber eben ziemlich windig. Zuerst machen wir, im Cottage angekommen, eine kleine Runde, rund um das Dorf, das nur aus einem guten Dutzend Häusern besteht. Die vorgesehenen Wege aus Komoot gibt es tatsächlich fast alle nicht mehr, wir navigieren frei Schnauze, was auch ganz gut klappt. Hundirunden im Sinne von Rundwegen scheinen sich auch nicht anzubieten, also gehen wir dann in diesen Fällen einmal durchs Dorf und zurück. Da das Dorf Duna im Dunkeln unheimlich ist, macht das nichts aus. Zum Cottage schreibe ich später ein paar Details. Wie üblich auch das ein eher gut gefüllter erster Tag. Mal gespannt auf das Wetter morgen.
Lessons learned: Whitby’s history
Whitby ist eine der geschichtsträchtigsten Kleinstädte Nordenglands. Seine Geschichte verbindet frühchristliche Klosterkultur, Wikinger und Seefahrt, später kam die Literatur des Bram Stoker hinzu. Um 657 gründete König Oswiu von Northumbrien mit Unterstützung der später heiliggesprochenen Hilda ein bedeutendes Doppelkloster auf dem East Cliff. Hier fand 664 die Synode von Whitby statt: Vertreter der keltischen und der römischen Kirchenpraxis einigten sich unter anderem auf die römische Berechnung des Osterdatums. Eine Weichenstellung für die englische Kirche. 867 zerstörten dänische Wikinger das Kloster, der alte Name, Streoneshalch, verschwand und Whitby, „Weiße Siedlung“, setzte sich durch. Im Mittelalter wurde Whitby zu einem Fischereihafen, der vor allem vom Heringsfang lebte. Nach der Auflösung der Klöster unter Heinrich VIII. blieb der Ort zunächst wenig bedeutend. Erst der Abbau von Alaun in der Umgebung und der Aufschwung im Schiffbau, Walfang und Handel machten Whitby vom 16. bis zum 19. Jahrhundert zu einem wohlhabenden Seehafen. In Whitby erlernte der Seefahrer James Cook sein Handwerk. Ein Museum erinnert daran. Schiffe wie die Endeavour wurden in örtlichen Werften gebaut. Der schwarze, polierbare Whitby Jet wurde im 19. Jahrhundert zu einem begehrten Schmuckmaterial. Einige Läden in Whitby verkaufen immer noch Schmuck daraus.
Ab 1839 wurde Whitby durch eine Eisenbahn ein beliebtes Seebad. Weltberühmt wurde es schließlich durch Bram Stoker. Teile seines 1897 erschienenen Romans „Dracula“ spielen in Whitby, inspiriert von der Abtei, dem Hafen und der düsteren Küstenlandschaft. Heute prägen die Ruine der Abtei, der alte Hafen, die 199 Stufen zur St. Mary’s Church und die maritime Atmosphäre das Bild einer Stadt, die ihre lange Geschichte sichtbar bewahrt hat. Ohne dem Kommerz völlig anheimgefallen zu sein.
18. September 2026: Staithes
Der Morgen beginnt sonnig und trocken, aber am Nachmittag ist Regen angekündigt. Noch ein gut besuchter Ort hier ist Staithes. Ein altes Fischerdorf, wir machen die Tour ab Hinderwell, etwa 20 Minuten von unserem Cottage.
An der in Komoot angegebenen Stelle als Startpunkt ist kein Platz für das Auto. Aber nur wenige Meter weiter ist ein kleiner Parkplatz für drei Autos. Da es noch früh ist, Duna wollte wieder um halb acht aufstehen, steht nur ein einsames Auto dort. Als wir später zurück kommen, sind es fünf. Die Tour führt oberhalb der Küstenlinie entlang bis nach Staithes, diese Abstiege müssen wir später wieder nach oben. Staithes ist sichtbar alt, die Gassen schmal, die Häuser klein, für Autos ist hier wirklich kein Platz, weshalb die Reiseführer dringend anmahnen, das Auto außerhalb des Ortes stehen zu lassen. Am Hafen ist einmal das Pub Cod & Lobster, ein hoch geschätztes Restaurant für Meerefrüchte, die direkt hier in Staithes angelandet werden. Daneben am Hafen ist ein kleines Café ohne Innenraum, Essen und Trinken gibt es durch ein kleines Fenster. Ein Cappuccino ist willkommen, fürs Mittagessen ist es aber noch zu früh, machen wir uns also nach einer Runde durch Staithes auf den Rückweg. Der Wind ist heute besonders heftig, was die steilen Aufstiege zurück nicht unbedingt leichter macht. Aber die Tour selbst ist prima, es gibt schöne Aussichten auf die Küstenlinie und die vielen steilen Klippen. Zwar sind Hin- und Rückweg zum Teil gleich, aber um Staithes geht man zwei verschiedenen Abschnitte des Cleveland Way. Man merkt fast nicht, dass man den Weg schon einmal gegangen ist.
Zum Mittag fahren wir zurück nach Sandsend, unser erster Besuch dort. Direkt am Strand ist einer der kostenpflichtigen Parkplätze. 3,20 GBP für eine Stunde ist zwar heftig, aber ich habe nun Mal Hunger. Direkt neben dem Parkplatz ist das Wits End Café, es gibt ein Thunfisch-Sandwich, das immer mit Pommes serviert wird. Was Duna freut. Satt bin ich danach auf jeden Fall. Etwas weiter liegen zwei weitere Cafés direkt am Strand sowie ein Fish & Chips-Laden, etwas höher noch eine Pizzeria. In Sandsend werden wir zum Essen noch öfter auftauchen. Sind auch nur 2,5 Kilometer von unserem Cottage. Auf dem Hinweg nach Staithes hatte Duna jedoch erst zwei Mal breiigen Kot, in Staithes dann richtigen Durchfall. Nur das Trockenfutter ist neu, das Nassfutter von Forthglade bekommt sie schon seit Jahren. Also noch einmal zurück zu Millbry und ein anderes Trockenfutter holen. Zum Glück habe ich aus Gewohnheit für Duna das Durchfallmittel Canikur dabei. Seit ihren heftigen Durchfällen am Anfang bei mir habe ich das nun immer im Reisegepäck. Das bekommt sie gleich nach der Rückkehr von Millbry.
Kaum sind wir im Cottage, fängt es an zu regnen. Also etwas lesen, Duna schläft ein Ründchen. In ein oder zwei Stunden soll es wieder aufhören und wir kreisen noch etwas durchs Dorf und über die Felder. Laut Wetterbericht soll es in den nächsten Tagen besser werden.
Lessons learned: The Barn
The Barn liegt in der Ansiedlung Newholm, zu Fuß 2,5 Kilometer bis Sandsend, 3,5 Kilometer bis Whitby. Es muss mal ein Stall oder ein Schuppen gewesen sein, wie hier oben üblich trotzdem massiv gemauert. Gegenüber liegt The Retreat, das Haus soll eine Geschichte bis zurück ins 17. Jahrhundert haben. Insgesamt wohl eine frühere Farm, die später zum Wohnen umgebaut wurde, worauf auch die übrigen Schuppen auf dem Gelände hinweisen. Das Cottage ist ziemlich klein, Wohnküche, Schlafzimmer und Bad sind durch Leichtbauwände halboffen aufgeteilt. Die Küche ist spartanisch, einige Unterschränke, ein Regalbrett und ein großer Kühlschrank, Toaster, Mikrowelle und Wasserkocher sind da, statt eines Herdes gibt es nur eine einzelne Kochplatte (immerhin Induktion) und einen Minibackofen. Dafür gibt es einen riesigen Fernseher, der leider nur im Internet hängt, demnach ohne BBC oder ITV. Esstisch ist ein Bartisch mit zwei Stühlen, die etwas höher sein könnten. Besteck und Geschirr stammen von IKEA, ein Topf und eine Pfanne sind im Unterschrank. Man sollte also in den Ansprüchen bescheiden sein, es ist aber für einige Tage ausreichend. Das Bett ist ein 140er Boxspringbett, statt Duschkabine hat die Duschwanne einen Vorhang. Keine Luxusunterkunft, sagen wir einmal so: ein Kompromiss zwischen akzeptabel und ausreichend. Newholm selbst ist nur eine Ansiedlung, es ist sehr ruhig hier, noch einige weitere Cottages sind im Ort. Einkaufsmöglichkeiten sind nur in Whitby, Sainbury’s, ALDI und LIDL, noch ein kleiner Morrison kurz vor dem Sainsbury’s sowie einige weitere Geschäfte, alles südlich der Stadt in Richtung Scarborough. Gesamturteil für The Barn: Keine Luxusunterkunft, aber akzeptabel für eine Woche.
19. September 2026
Am Morgen hängen dicke graue Wolken am Himmel, doch der Wetterbericht verspricht Besserung. Der frühe Morgen, Duna besteht immer noch auf Aufstehen um halb acht, eignet sich für einen Abstecher nach Whitby zum ALDI, um die Vorräte an Ahornsirup zu erweitern. Dark Brown Sugar und Warburton’s Crumpets gehen auch noch mit. Whitby hat einen sehr schönen und weitläufigen ALDI, gleich hinter dem Sainsbury’s. Inzwischen zeigt sich etwas Blau am Horizont. Heute wollen wir direkt in den Nationalpark, genauer nach Goathland. Eine knappe halbe Stunde von Whitby. Die Strecke führt über die weiten Hochflächen der Moors, man sieht viele Kilometer in die Landschaft hinein, denn inzwischen haben sich die Wolken verzogen und die Sonne scheint. Wir bekommen noch problemlos einen Parkplatz, doch es füllt sich zusehends. Sehen wir gleich um die Ecke, heute ist in Goathland Farmers Market, doch wir gehen auf unsere Runde. Zuerst ziehe ich aber den Pullover aus, es wird wärmer.
Zuerst geht es eine Zeit durch den Wald. Was Duna langweilig findet. Außerdem hat sie mal irgendetwas an der rechten Vorderpfote, dann wieder trödelt sie herum, manchmal ist dieser Hund wie ein Blag. Am Umkehrpunkt, mit dem Wechsel zum Birchwood auf der anderen Seite der Bahnstrecke, ist der Hund wie ausgewechselt. Legt Tempo vor, Duna geht nämlich am liebsten über Weiden und Wiesen. Etwas neben dem Weg verläuft die Bahnlinie, immer wieder hört man das Tuten der Lok und sieht die Dampfwolken der alten Lokomotiven. Zuletzt kommen wir am Bahnhof an, wo wir noch etwas die alte Lok ansehen, die gerade einfährt. Eine mal wirklich nette Tour, schöne Aussichten in die North York Moors. Als wir nach Goathland zurück kommen, ist das Dorf komplett zugeparkt. Gut, dass wir so früh dran waren. Ein Tearoom ist nicht in Sicht, also bleiben wir im Goathland Hotel. Die Karte hat keine Sandwiches oder andere Kleinigkeiten zu bieten, aber es gibt eine Tagessuppe, heute aus Butternut Squash, dazu zwei Scheiben Sauerteigbrot, reichlich mit Kräuterbutter bestrichen und in der Pfanne getoastet. Wer verbreitet eigentlich die unsägliche Mär, das Essen in England sei schlecht? Ok, der Cappuccino war etwas dünn. Es ist gerade erst ein Uhr, wir fahren noch nach Grosmont. Da geht es erst einmal steil bergab. Grosmont war einmal ein Zentrum der Eisenherstellung, da in der Gegend viel Erz gefördert wurde. Dazu war hier das Bahnwerk einer Eisenbahngesellschaft, noch immer kann man die alten Loks und Werkstätten besichtigen. Wir streifen etwas durch den Ort.
Vor dem Bahnwerk gibt es noch ein nettes Café, den Old School Coffee Shop, mit selbstgebackenem Kuchen und warmen Speisen, für ein Stück Schokoladenkuchen und einen ordentlichen Cappuccino. Genug gelatscht für heute, eigentlich. Wir fahren zurück nach Newholm und wollen doch noch einmal den kurzen Weg hinunter nach Sandsend probieren. Das sind nur 2,5 Kilometer ab unserem Cottage. Etwas am Strand sitzen und in die Gegend schauen. Jedenfalls ist das so in den Karten und auf den Wegschildern in Newholm ausgewiesen. Leider scheitern wir kläglich nach etwas mehr als der halben Strecke, nicht mehr weit von Sandsend. Ich finde den Weg ab einer Stelle nicht mehr, wir landen immer wieder auf Weiden, auf denen es nicht weiter geht. Zwar ist an den Wegen immer wieder Sandsend ausgewiesen, nur der Weg ist nicht zu sehen. Immerhin kommen wir auf dem Weg an einer beeindruckenden Hotelanlage mit Natursee zum Schwimmen vorbei, etwas oberhalb von Sandsend. Das ist Saltmoore, das früher einmal anders hieß und den meisten Einwohnern unter diesem Namen bekannt ist. Da liegt auch die Pizzeria, die gehört zu diesem Hotel und den Cottages. Wir aber drehen entnervt um und gehen zurück. Reicht auch für heute. Unsere restlichen Einkäufe, hauptsächlich braunen Zucker, gebackene Bohnen und Mandarinen-Marmelade, machen wir am Montag in Scarborough, da gibt es nämlich einen Morrisons. Der hat auch Tiptree. (Dachte ich.)
Lessons learned: We are not British, we are from Yorkshire
Das Selbstbewusstsein der Menschen in Yorkshire stammt weniger aus eingebildeter Überlegenheit, sondern aus einer über Jahrhunderte gewachsenen regionalen Identität. Yorkshire war historisch groß, wirtschaftlich bedeutend und kulturell sehr eigenständig. Die Menschen dort haben dieses Bild von sich selbst immer wieder gepflegt. Yorkshire war lange geprägt von keltischen Königreichen, später von angelsächsischen und skandinavischen und wikingerzeitlichen Einflüssen. Besonders das frühere Königreich Northumbria und die regionale Sonderstellung des West Riding stärkten das Bewusstsein, nicht einfach nur „Engländer“, sondern Yorkshiremen oder Yorkshirewomen zu sein. Solche regionalen Bindungen sind in England generell stark, in Yorkshire aber besonders ausgeprägt. Nach Umfragen haben rund drei Viertel der Befragten in York und den Ridings eine starke Verbundenheit mit ihrer Heimat. Daraus entwickelte sich ein regionaler Stolz mit einem sozialen Unterton: Wir arbeiten hart, wir schaffen etwas, und wir brauchen die Anerkennung Londons nicht. Das erklärt auch die Mischung aus Selbstsicherheit, Unabhängigkeit und gelegentlicher Skepsis gegenüber der Hauptstadt. Die Landschaft verstärkt dieses Selbstbild.
Die weiten Moorlandschaften im Osten, die Dales, die raue Küste und industrielle Städte bildeten ein gemeinsames Bild. Schriftstellerinnen wie die Brontë-Schwestern machten Yorkshire im 19. Jahrhundert literarisch berühmt, als Region der starken Leidenschaften, des rauen Klimas und einer gewissen unbeugsamen Eigenständigkeit. Auch die weiße Rose, die Landschaft und die Vorstellung von Gemeinschaft gehören zu den wichtigsten Symbolen dieser Identität. Menschen aus Yorkshire nennen als typische Eigenschaften ihrer Region häufig Gradlinigkeit, Arbeitstüchtigkeit, Freundlichkeit, Solidarität und Widerstandskraft. Bemerkenswert ist, dass die Yorkshire-Identität nicht nur durch positive Eigenschaften entstand. Schon frühe Postkarten und Zeitungen verbreiteten Klischees vom geizigen, sturen, wortkargen Yorkshireman. Die Menschen in Yorkshire übernahmen diese Stereotype teilweise selbst, allerdings mit einem Augenzwinkern und als Zeichen dafür, dass man sich von Außenstehenden nicht definieren lässt. Das typische Motto lautet daher: Wir wissen, dass ihr uns für stur oder knauserig haltet. Und genau das macht uns noch sympathischer und stärker.
20. September 2026: Hole of Horcum, Sandsend
Immerhin lässt mich Duna am Sonntag wenigstens bis acht Uhr schlafen. Wobei Schlafen heißt, dass sie auf meinem Bauch oder auf meinen Beinen liegt. Dabei scheint schon früh die Sonne durch das kleine Dachfenster. So soll das Wetter auch den ganzen Tag bleiben. Der Wind lässt erst am Nachmittag nach. Also auf zum Hole of Horcum.
Entstanden ist das Hole of Horcum laut Sage, als ein Riese Streit mit seiner Frau hatte, eine Hand voll Erde nahm und sie nach ihr warf. Tatsächlich hat diese große Senke die Form einer Faust. Das Hole of Horcum liegt in der Nähe von Levisham und die Heidelandschaft dazu liegt am Rande der Senke. Wir parken nicht, wie in der originalen Tour angegeben, an der Straße, sondern auf einem großen kostenpflichtigen Parkplatz am „Devil’s Elbow“. Die Tour verläuft erst oberhalb der Senke, geht dann in die Senke herunter und zurück. Etwas vor dem Aufstieg zurück steht eine größere Rinderherde. Obwohl wir einen Bogen um sie herum machen, stürmt plötzlich eine Kuh wie blöde auf uns los, Duna sprintet in Panik herunter Richtung Bach und reißt mich mit. Kurz vor dem Farnfeld am Bach haut es mich dann von den Beinen. Außer einer schmutzigen Hose zum Glück keine Schäden. Etwas mühsam am Ende der Aufstieg zurück zum Parkplatz. Aber sonst eine angenehme Tour, man sieht viel von der Landschaft. Leider hat die Dürre im Juli und August die Heide sichtbar mitgenommen, das Gras hat sich etwas erholt, das Heidekraut leider nicht mehr. Die Flächen sollte um diese Jahreszeit eher violett sein, sind aber grau.
Wir sind gegen halb eins wieder am Wagen. Rucksackmahlzeit in Form von Toast und Thunfisch haben wir dabei, aber es ist keine Bank in Sicht. Wir fahren etwas weiter Richtung Pickering, doch es kommen keine Parkplätze und keine Bänke in Sicht. Schließlich kommen wir nach Pickering, dann eben Mittagessen in einem Tearoom. Nur sind die wenigen Parkplätze alle randvoll. Wir machen dann Stopp auf einem Parkplatz außerhalb des Ortes an der A169, fast bläst mir der Wind den Thunfisch vom Toast. Wir hätten besser zurück Richtung Whitby fahren sollen, in Sleights oder Briggswath hätte sich eher ein Café gefunden. Pickering und die Gegend sind touristisch praktisch nicht entwickelt, nur taucht ab und zu ein Pub am Straßenrand auf, wie das The Fox & Rabbit Inn. Auf Sunday Roast habe ich seit 2004 keinen Appetit mehr. Wir fahren zurück nach Newholm. Duna hatte gestern einen versteckten Weg gefunden, der laut Wegweiser nach Sandsend führen soll. Dann probieren wir den mal aus, wir können ja noch in Sandsend Kaffee trinken gehen.
Tatsächlich führt der Weg, der in Komoot nicht eingezeichnet ist, in Richtung Sandsend. Er ist sogar mit großen Steinplatten gepflastert, also kein Trampelpfad. Leider führt er auf einen dann wieder eingezeichneten Weg, der erst in einem großen Bogen nach Sandsend geht. Nach der Tour am Morgen eindeutig zu lang und zu steil. Also machen wir einen Bogen zurück und fahren mit dem Auto nach Sandsend. Und landen im Sandside Café, direkt am Anfang des Ortes. Es ist Sonntag, die Schlange vor der Kasse lang, aber immerhin gibt es Cappuccino und ein Stück Kuchen. Gegenüber am Strand ist noch das Tides, sieht deutlich gepflegter aus. Vielleicht ein andermal. Für morgen steht Scarborough auf dem Plan, kleine Tour, bei Morrisons restliche Sachen einkaufen und uns die Stadt ansehen. Wenn das Wetter mitspielt. Ach ja, heute Nachmittag habe ich unseren Vermieter kennengelernt. Unser Weg nach Sandsend zuvor scheiterte nicht, weil wir zu doof waren oder etwas übersehen hätten. Den Weg hinter der Hotelanlage Saltmoore nach Sandsend gibt es schon lange nicht mehr. Ebenso einen anderen Weg nicht, der früher und auf den Karten von Newholm nach Whitby führte, obwohl die Wege trotzdem noch in den Wanderkarten stehen. Er meinte, am einfachsten gehe man nach Sandsend über die kleine Nebenstraße oberhalb von Newholm. Wenn ich ihn in seinem sehr starken Yorkshire-Dialekt richtig verstanden habe.
Lessons learned: Creditcard vs debitcard (again)
Im Sommer hatte ich ja gemerkt, dass in UK beim Zahlen mit Karte auch meine normale EC-Karte akzeptiert wurde. Dabei fand ich es hilfreich, dass der Betrag sofort vom Girokonto abgebucht wurde, so dass ich einen besseren Überblick über meine Ausgaben hatte. Leider habe ich erst in diesem Urlaub die Konsequenzen gespürt. Beim Zahlen mit der Kreditkarte, bei mir ist es die Mastercard, werden 1,5% des Zahlungsbetrages als Gebühren berechntet. Das erscheint zuerst viel, aber schaue ich mir die Abbuchungen der Debitcard an, ist es nicht viel. Die Sparkasse berechnet nämlich jeden Zahlungseinsatz mit Gebühren von sage und schreibe 0,77 €. Bei großen Beträgen, wie Hotel oder Cottage, ist das ok. Aber beim Bezahlen eines Kaffees ist das doch eine Menge Holz. Also höchstens große Beträge mit der Debitcard bezahlen. Sonst besser mit der Kreditkarte.
21. September 2026: Robin Hood’s Bay, Whitby Abbey, Sandsend
Der gestrige Abend endete mit einem ausgesprochenem Grippe-Gefühl, vermutlich durch das Schwitzen und den heftigen Wind auf der Tour um Hole of Horcum. Also war ich schon weit vor elf im Bett. Heute Morgen war die Grippigkeit immer noch da, aber nicht mehr so heftig. Wir vertagen Scarborough auf später und lassen es etwas lockerer angehen. Keine großen Touren heute. Eigentlich wollte ich zuerst etwas lesen, doch Duna starrte mich die ganze Zeit an und fragte, wann wir denn nun endlich los gehen. Ok, dann man zu einem weiteren Highlight der Gegend: Robin Hood’s Bay, 12 Kilometer südlich von Whitby.
In den Ort hinein zu fahren ist nicht möglich, nur ganz wenige Wege im Ort sind für ein Auto breit genug. Stattdessen besteht Robin Hood’s Bay aus unzähligen schmalen Gassen, manche gerade so breit, dass man hindurch gehen kann. Wie Staithes ist Robin Hood’s Bay ein altes Fischerdorf, Autos gab es damals noch lange nicht. Ansonsten ist Robin Hood’s Bay vollgestopft mit alten und neueren Läden, Kram, Souvernirs, Kunsthandwerk, Malerei, und auch einigen Tearooms und Pubs. Dazu gibt es einen Strandbereich, eine kurze Promenade im Norden. Zu sehen und zu bestaunen gibt es hier genug. Wir streifen eine Weile durch den Ort, lassen und gegen zwölf im The Cove nieder, ein Mittelding zwischen Restaurant und Tearoom. Vom Sandwich bis zu Fish & Chips reicht das Angebot, das Chiabatta mit Tuna Melt ist für mich völlig ausreichend und sehr lecker. Ebenso der Cappuccino. Ansehen sollte man sich Robin Hood’s Bay auf jeden Fall, es ist schon irgendwie kurious. Parken auf jeden Fall weit außerhalb, der Parkplatz am Victoria-Hotel, dem letzten Kreisverkehr der normalen Zufahrt, ist nur sehr klein, etwas oberhalb gibt es einen großen Parkplatz. Dann geht man die steile Straße herunter in den Ort, zurück merkt man erst, wie steil sie ist. Auf der Hinfahrt waren wir an Whitby Abbey vorbei gekommen, da wäre noch ein Abstecher drin. Dann verbringen wir doch eine Stunde dort oben, zur Abbey hinein gehen wir nicht, denn die gehört zu English Heritage, der Eintritt kostet 16 £ pro Person. Das ist mir zu heftig, und bei Heritage will ich nicht auch noch eintreten. Aber kann sich die 199 Stufen noch einmal von oben ansehen und hat einen tollen Blick über Whitby.
Wir sitzen eine Weile auf dem Friedhof der Kirche und gehen dann zurück, weil unser Parkticket abläuft. Zwei Dinge haben wir noch auf dem Programm. Zuerst müssen wir noch einmal zu Millbry, Dunas Fischli-Cracker von Bosch sind zu Ende, und Duna besteht auf dem gleichen Programm am Abend wie zuhause. Ein Fisch-Stick, ein paar Nüsse oder Crisps, ein paar Fruitees und zuletzt vier Forthglade-Leckerlis und zwei Cracker. Genau so und zwar zuverlässig. Wir fahren noch einmal für einen Kaffee und ein Stück Kuchen nach Sandsend. Das Tides sieht von fern besser aus als es tatsächlich ist, das Sandside Café ist doch netter und gemütlicher. Im Tides gibt es den Kuchen nur in einer Pappschale, den Kaffee in einem Pappbecher, Stühle sind aus billigem Plastik. Im Sandside ist alles Geschirr aus Porzellan und mit Metallbesteck. Auch hat das Sandside ein viel größeres Angebot an Kuchen und warmen Gerichten. Also beim nächsten Mal wieder das Sandside, übrigens ist hinter dem Café noch eine riesige windgeschützte Terrasse, die hatte ich zuerst nicht gesehen. Auf dem Weg zurück zum Auto in den Mulgrave Woods – der etwas billigere Parkplatz liegt links hinter der Brücke zum Fish & Chips-Restaurant hinein und weiter – stoßen wir noch auf einen Weg, der den Hügel hinauf geht. Der geht laut Komoot nach Dunsley, also den Nachbarort von Newholm. Lassen wir aber, er ist auch fast komplett zugewachsen. Wetter heute erst bedeckt, ab Mittag dann T-Shirt-Wetter, 21 Grad, kaum Wind. Pullover blieb in Sandsend im Auto und ich habe mein Yorkshire Dales National Park-T-Shirt offen getragen. Der grippige Kopp ist fast weg, muss an dem guten Wetter liegen. Doch wieder viel gemacht und viel gesehen.
22. September 2026: Scarborough, Ravenscar, Whitby
Schon am Morgen beim ersten Walkie 20 Grad und Sonne. Dann mal auf nach Scarborough. Liegt eine dreiviertel Stunde südlich von Whitby. Die Strecke führt mit Achterbahngefühl über die Hochebenen der Moors. Unsere Tour beginnt nach Komoot auf einem Parkplatz am Victoria Park. Als ich vom Parkplatz auf die Straße komme, sehe ich erst, dass man mit Parkscheibe auf der Straße drei Sunden parken darf. 6,40 £ fehlinvestiert.
Der Weg führt zuerst am Strand entlang, der North Bay. Duna tobt wie eine Blöde am Strand herum und darf endlich mal heftige Löcher buddeln, ohne dass jemand meckert. Nur ist nichts von dem zu erblicken, was ich bisher von Scarborough gesehen habe. Dazu muss man wissen, dass es zwei Strände gibt, das North Bay und das South Bay. Am North Bay liegen zwar viele Attraktionen wie das Sealife und auch eine Menge Cafés und Restaurants, es ist aber nicht der Hauptstrand. Am Ende des North Bay führt die Tour weiter auf Straßen durch den Ort, auch an Hauptstraßen entlang. Etwas nervig. Zum Ende kommt man in den Peasholm Park, da gibt es das Peasholm Café, wo wir für eine Jacket Potatoe mit Bohnen und Kaffee einkehren. Kurz danach sind wir zurück am Auto. Nun wollen wir aber noch das richtige Scarborough sehen.
Wir fahren einige Kilometer weiter nach Süden, dort liegt nach Karte die Altstadt, bis fast ans südliche Ende der South Bay. Dort, nicht weit vom Victoria Hotel, gibt es reichlich Parkplätze am Straßenrand. Weiter hinunter wieder bis zum Strand. Dort sind Hunde verboten, Pech für Duna.
Bei allem Halligalli am Strand, einschließlich Riesenrad und Bingo-Buden, ist Scarborough erst einmal eine ganz normale englische Mittelstadt, mit langer Fußgängerzone und vielen Geschäften. Sowohl die großen Ketten als auch kleine eigenständige Läden sind vertreten. Auch ist hier die Hundedichte wie gewohnt erstaunlich hoch. Inzwischen hat sich Duna aber ganz gut an die anderen Hunde gewöhnt, nur selten widmet sie anderen Hunden noch Aufmerksamkeit. Wir gehen nach dem Strand links hoch in die Stadt und durch die Fußgängerzone. Klar geht es wieder den Berg hoch, wozu gäbe es sonst die Tram. Scarborough hat mit Orten wie Whitby oder Staithes wenig gemeinsam, weder besondere historische Gegebenheiten noch eine besondere Geschichte. Eben normale Stadt mit normalen Häusern und Läden. Am Schluss landen wir bei der Rückkehr noch in einem kleinen Park, wie er für englische Städte typisch ist. Es ist drei Uhr, nach der kleinen Jacket Potatoe wäre noch ein Kuchen oder Scone von Vorteil. Ein kurzer Schlenker beim Morrisons vorbei ergibt, dass Morrisons nun auch keine Marmelade von Tiptree hat. Wir fahren wieder Richtung Whitby, machen aber einen Abstecher nach Ravenscar, dessen Name mir irgendwie im Gedächtnis geblieben ist. Ravenscar ist aber kein Ort, sondern nur ein vornehmes Hotel mit Park und riesigen Außenanlagen, wenn auch mit grandiosem Ausblick. Es gibt aber am Bahnhof einen Tearoom, wir laufen dorthin und stellen fest, dass der am Dienstag geschlossen ist.
Woher jetzt noch Gebäck und Kaffee? Die Cafés in Sandsend schließen schon um vier, also in gut einer knappen halben Stunde. Wir quälen uns im Verkehr nach Whitby hinein, finden wir nach etwas Kurven wie am ersten Tag in einer Seitenstraße einen Platz mit Parkscheibe für eine Stunde, gehen in den Ort hinunter. Die Cornish Bakery in der Nähe der Weak Bridge schließt leider auch gleich, doch wir bekommen noch einen Fruit Scone mit Clotted Cream und einen Cappuccino, den wir an den Tischen vor der Tür verputzen. Im Vergleich zu unserem ersten Besuch ist es heute in Whitby eher ruhiger, es sind nicht diese Massen an Besuchern auf den Straßen. Vielleicht wegen der fortgeschrittenen Zeit, nach dem Kaffee und vor dem Abendessen. Ich nehme noch etwas für meine Tochter mit, was ich beim ersten Besuch gesehen hatte. Nun bald fünf, zurück nach Newholm. Morgen letzter Tag, noch eine Tour im Nationalpark, dann packen. Vielleicht frühstücken wir am Donnerstagmorgen doch in Sandsend im Sandside Café, die haben nämlich vom Toast mit Rührei oder Spiegelei bis zur vollen Breitseite des English Breakfast. So gewünscht. Hatte unser Vermieter gesagt, dass viele Gäste vor der Abreise noch dort frühstücken. Dann muss man nicht mehr spülen.
Ein inzwischen gewohnter letzter Blick am Abend gehört der Website bei DFDS, ob inzwischen die Pläne der Fähre Amsterdam-Newcastle für 2027 freigeschaltet sind. Denn wir müssen ja noch für den Lake District im nächsten Jahr buchen. Und sie sind inzwischen tatsächlich freigeschaltet.
23. September 2026: Falling Foss, Sandsend
Jede Reise hat bei mir zwei kritische Tage: Der vor der Abfahrt und der vor der Rückkehr. Heute ist der, bevor wir uns wieder auf den Weg nach North Shields machen. Am Morgen zieht ein kleines Regengebiet durch, also packe ich schon ein paar Sachen, gegen Mittag soll das Wetter wieder besser werden. Um halb zwölf fahren wir zuerst nach Sleights, dort ist das River Valley Café, dessen Schild wir schon öfter beim Vorbeifahren gesehen haben. Heute Jacket Potatoe mit Thunfisch-Majo, reichlich und lecker, nettes Ambiente. Dann noch eine letzte Tour, wieder zentral in den North York Moors.
Eine wirkliche empfehlenswerte Tour. Erst geht es länger durch den Wald, man kommt an einer Emeritage oder ähnlichem vorbei. Duna legt den nächsthöheren Gang ein, denn es sind wieder schmalere Wege. Es folgt die Ansiedlung Littlebeck mit einigen putzigen sehr gepflegten Häusern und einer eigenen Kapelle. Über einen nächsten Höhenzug über den Tal gehen wir zurück zum Parkplatz. Zwar wieder mit einigen Steigungen, aber nicht zu übermäßig. Gegen drei sind wir am Auto zurück und wir treffen die ersten Deutschen, aus Miltendorf oder so. Auf jeden Fall Bayern. Zum krönenden Abschluss des letzten Tages noch ein letztes Mal nach Sandsend, ein letzter Cappuccino mit einem Stück Old School Cake. Dann so weit packen und sortieren, was kommt in Kisten, was geht mit auf die Fähre. Zwischenstopp nach Plan ist dieses Mal an einer neuen Stelle, in Tynemouth, das wir von der Fähre immer sehen, bevor wir die Hafenausfahrt passieren. Dort noch ein Mittagessen, letzte Runde durch Tynemouth, letzter Besuch beim Morrisons für Proviant am Abend und am Morgen auf dem Schiff. Weil die Preise für Mahlzeiten an Bord schlichtweg unverschämt sind. Beim Morrisons bekomme ich noch Baps in Weiß und als Vollkorn. Schon fast ein luxoriöses Abendessen und Frühstück.
24. September 2026: Tynemouth, Seaton Delaval Hall, North Shields
Letzte Sachen verstaut, dank Dunas Frühaufsteherei früh auf die Bahn. Eine letzte Fahrt durch die Hochebenen der North York Moors, kein Stau, keine Baustellen. Tynemouth liegt, wie der Name ja sagt, an der Mündung des River Tyne. Er und der River Wear, der durch Durham fließt, bilden den Namen der Gegend, Tyne and Wear. Wir parken an einem Strand, jede Menge Plätze für nur 1,20 £ die Stunde. Zuerst gehen wir fälschlich in Richtung Norden nach Cullercoats, kurze Zeit später liegt ein Restaurant direkt am Strand, das Tynemouth View, das wir zum Mittagessen nutzen. Bevor wir uns später wieder einen Wolf nach einem Tearoom suchen. Dann wird mir klar, dass die Abbey ja nach Süden liegen muss, direkt an der Mündung. Also umdrehen und nach Süden. Nach knapp einem Kilometer sehen wir schon die Abbey, die hat noch eine Burg daneben, die man vom Schiff aus nicht sieht. Gehört wieder English Heritage, kostet 10 £ Eintritt, dafür haben wir eh keine Zeit. Gegenüber der Burg liegt dann der Ort Tynemouth, man läuft von der Burg direkt in die Main Street, mit so vielen Gelegenheiten zum Essen, dass mir die Auswahl schwer gefallen wäre. Neben den üblichen Angeboten wie Sandwiches, Fish & Chips und Jacket Potatoes gibt es auch Gaststätten mit Pizza und Pasta, sogar eine Döner-Bude ist zu finden. Nicht dass ich ernsthaft Lust auf Döner hätte, aber eine Pizza wäre nicht übel gewesen. Das Panini Caprese im The View war auch akzeptabel.
Wir haben noch ein wenig Zeit bis zum Einchecken auf die Fähre und für die letzte Hundirunde im Redburn Deen Park. Zur Erkundung der Gegend fahren wir noch etwas weiter nach Norden, um uns die anderen Orte anzusehen. Dann taucht ein vertrautes braunes Hinweisschild zu einer National Trust-Location auf, Seaton Delaval Hall. Fahren wir mal hin. Schließlich habe ich in 2026 meine NT-Karte nur zum Parken benutzt. Seaton Delaval Hall ist der frühere Sitz einer Familie, ein ziemlich monströses Herrenhaus mit einem großen Park. Duna darf ins Haupthaus nicht hinein, aber wir dürfen in den Park, wo Duna unerwartet schon einmal ihre letzten Geschäftchen erledigt. Der Redburn Deen hat sich so erledigt.
Zu unserem, oder meinem Glück, hat die Anlage auch ein Café. Die Preise in den Cafés des NT sind immer erträglich, das Angebot an Speisen und Kuchen befriedigend bis gut. Das beste Café des NT war das bei Fountains Abbey. Noch ein Fruit Scone für die Reise geht noch, ein Proper Brew, dann zurück zum Auto, es wird Zeit für die Rückkehr nach North Shields. Der Walkie durch den Park entfällt ja heute. 20 Minuten sind es zurück nach North Shields zu den Royal Quays, die Princess Seaways wartet schon. Wie bei der Hinfahrt eher wenig Betrieb, die große Reisezeit ist schon längst vorbei, obwohl die Cottages noch gute gebucht sind. Meistens vojn Briten, die ja keine Fähre brauchen. Das Schiff legt schon sehr früh um halb fünf ab, wie immer, wenn alle gebuchten Passagiere an Bord sind. Unsere Kajüte ist die 4210A. Komisch, dass wir fast immer die gleiche Kabine bekommen. Die Stahltreppen zum Außendeck sind nun für Duna Routine. Nur einzelne Hunde sind auf dem Deck, im Gegensatz zu den Rudeln im Sommer.
Das war dann der zweite Besuch des Nordens Englands in 2026. Das nächste Jahr hat schon Buchungen für Cottage und Fähre. See you later.
Lessons learned: Lakes, Dales and (now) Moors
Nun haben wir sozusagen die Tour Coast to Coast gemacht, vom Lake District in 2022 und 2024, über die Yorkshire Dales in 2023 und 2026, bis zu den North York Moors in 2026. Obwohl ich schon vorher im Lakeland war, zum ersten Mal in 2011. 2027 steht auch wieder im Zeichen des Lake Districts, dazu sind noch der Peak District und Northumbria mit auf die To-Do-Liste gekommen. Zeit für ein weiteres Résumé. Beginnen wir mit dem Lake District. Von den drei zuletzt besuchten Gebieten ist der Lake District am stärksten touristisch geprägt, seit Ende des 19. Jahrhunderts, als die Lake Poets die Gegend und das Wandern populär gemacht haben. Bis dahin war dieses Gebiet nur durch etwas Landwirtschaft geprägt. Das hat Vorteile und Nachteile. Vorteile sind die gute touristische Infrastruktur, es gibt zuhauf Cottages und B&Bs, der nächste Proper Brew und die nächste Jacket Potatoe sind immer in Reichweite, Wanderwege sind sehr gut dokumentiert und gekennzeichnet, viele Sehenswürdigkeiten bieten sich an bis hin zu den Ausflugsschiffen auf Windermere und Ullswater. Bücher über den Lake District gibt es in Unmengen. Die Zahl an Pubs mit gutem bis sehr gutem Essen ist beeindruckend (mein Favorit ist immer noch das Britannia Inn in Elterwater). Landschaftlich ist der Lake District so ziemlich einmalig, höchstens Snowdonia in Nordwales kann da mithalten. Schottland fehlt mir als persönliche Erfahrung noch. Aber es ist ja noch nicht aller Tage Abend. Der Lake District wäre also immer eine gute Empfehlung, es sei denn, man möchte um dichtes Touristenaufkommen einen Bogen machen. Obwohl man auf den Fells auch ganz alleine unterwegs sein kann. Die Touren können deutlich anspruchsvoller sein als erwartet. Der Aufstieg zum Helvellyn als Beispiel kann auf den meisten genutzten Touren sehr anspruchsvoll sein. Als Cottages bieten sich die in Keswick, Grasmere und Ambleside an, Windermere bzw. Bowness sind Touri-Hochburgen im üblen Sinne. Auf der anderen Seeseite sind dann noch Hawkshead, eventuell Coniston.
Kommen wir zu den Yorkshire Dales. Inzwischen zwei Mal besucht, hat die Gegend bei mir angenehme Erinnerungen hinterlassen. Schon deshalb, weil Yorkshire mit einem ganz eigenen Charakter aufwartet, sogar mit einem eigenen Dialekt, während der Lake District eher wenig kulturelle Eigenständigkeit aufweist. Yorkshire dagegen hat seine eigene industrielle und handwerkliche Geschichte, Tourismus war nicht der prägende Faktor wie im Lakeland. Inzwischen ist die touristische Infrastruktur jedoch mit dem des Lake District in den gut besuchten Gegenden fast vergleichbar. Das schwankt regional etwas, in den Trogtälern Wensleydale oder Wharfedale findet man an jeder Ecke eine Gelegenheit zum Essen oder Übernachten, im engen Nidderdale oder kleinen Dentdale ist das nur fast so. Trotzdem ist die Natur ebenso beeindruckend, es gibt Möglichkeiten zum Wandern ohne Ende. Nur sind diese Fells nicht so hoch und ausgesetzt, eher milder und damit leichter zu bewältigen. Der wesentliche Unterschied zum Lakeland liegt im Charakter der Gegend und der Bewohner. Es ist alltäglicher, nicht so überlaufen, Orte wie Hawes und die Umgebung von Ripon bieten sich als Ausgangspunkte an. Wobei Ripon schon etwas städtischen Charakter hat, inklusive zweier großer Supermärkte und einer größeren Innenstadt mit den bekannten Ketten wie Mountain Warehouse. Falls mal die Trekkingschuhe kaputt gehen. MW bietet seine Sachen zu wirklich akzeptablen Preisen an. Mir liegen die Yorkshire Dales heute schon fast näher als das Lakeland, weil eben normaler und doch mit den für mich unverzichtbaren Einkaufs-, Essens- und Wandermöglichkeiten.
Dann dieses Jahr als ein kürzerer Aufenthalt die North York Moors. Diese Gegend hat zwar mit den Hochmooren und ein paar regionalen Highlights das überschaubarste landschaftliche Angebot der drei. Was aber dem Reiz der Gegend überhaupt keinen Abbruch tut. Uneingeschränkt sind die Wandermöglichkeiten, wir haben einige sehr schöne Touren gemacht. Eigentlich hatten wir noch viel mehr Touren auf unserer Liste als wir bewältigen konnten. Die Highlights in den Moors sind eher die Orte wie Whitby oder Robin Hood’s Bay, auch Staithes. Ab Mittag wird es in diesen Orten aber ausgesprochen voll, dafür kann man sich die bevorzugten Speisen zum Mittag aus einem breiten Angebot aussuchen. Außerhalb dieser stark frequentierten Orte geht das eher weniger, dafür ist die Durchdringung durch den Tourismus in den Moors weniger stark. Heißt jetzt aber nicht, dass es nichts gibt, aber eben nicht an jeder Ecke, wie es im Lakeland Standard ist. Weiß man dann, was wo ist, ist man trotzdem bestens bedient, wie im Café River Valley Gardens oder in Sandsend in den drei Cafés und dem Fish & Chips-Restaurant plus Pizzeria bei Saltmoore. Scarborough ist dagegen eher eine normale englische Stadt, nur das Strandleben ist exorbitant. Ein Cottage würde ich mir meistens im Raum Whitby suchen, dem regionalen Zentrum an der Küste, oder etwas weiter im Inland nahe einem größeren Ort. Die Nähe zu Whitby liefert eben Möglichkeiten zum Einkaufen und Essen, oder einfach nur zum Streunen und Bummeln.
Current state of affairs
War eine schöne Woche in den North York Moors, es hätte gerne noch eine zweite sein können. Dann vielleicht das nächste Mal in der Nähe von Sandsend oder nahe oder sogar in Whitby. Früher war der Lake District für mich das Maß der Dinge für meine Urlaube, das hat sich über die Jahre deutlich geändert. Noch immer ist das Lakeland ein bevorzugtes Reiseziel. Doch Erfahrungen an anderen Orten verändern die Sicht. So war ich gerne auch in den South Downs, die Zeiten auf The Gower und in Snowdonia sind genau so stark in Erinnerung geblieben. Dürfte ich mir spontan ein Ziel für einige Wochen aussuchen, würde die Wahl jetzt wahrscheinlich lauten: Yorkshire Dales, in Fußreichweite von Hawes, wie zum Beispiel in Gayle an der Wensleydale Creamery. Noch schöner gelegen ist vielleicht Wharfedale. Das hat bei mir persönlich den einfachen Grund, dass ich heute lieber essen gehe als selbst zu kochen, und der Cappuccino oder der Proper Brew mit einem Scone oder einem Stückchen Bakewell sind unverzichtbar. Im Cottage verbringen wir höchstens die Abende. Überhaupt hat sich Yorkshire für mich immer mehr als die Gegend entwickelt, in der ich mich ausgesprochen wohlfühle. Eben weil es dort nicht ganz so touristisch ist, gelassener, vielfältiger, weil dort das Leben ein bisschen mehr Alltag hat, und doch Läden, Cafés und Tearooms auf mich warten. Von den Touren in den vielen Tälern und Abstechern nach Cumbria ganz zu schweigen, doch auch die North York Moors haben ihre wunderbaren Ecken. In Hawes und noch mehr in Whitby war direkt vor Ort alles Wichtige zu bekommen, spätestens in Leyburn bei Campbell’s oder in Scarborough.
Was mir in Zukunft im Lakeland fehlen wird, ist die Alltäglichkeit von Yorkshire im besten Sinne. Andererseits stehen noch andere Ecken auf dem Plan, wie der Peak District. Auch Northumbria, durch das ich auf dem Weg in den Lake District zwei Mal gefahren bin, wäre noch eine reizvolle Alternative. Eigentlich muss ich noch mindestens 30 Jahre reisefähig und wanderfähig bleiben. Schließlich wollen wir irgendwann noch einmal nach Snowdonia. Für den Wanderhund.














































































